Anerkennung der Erstsprache erleichtert Deutschlernen

22. März 2013, 18:26
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In Kindergärten und Schulen herrsche großer Druck, Deutsch zu sprechen, sagen Pädagogen

 Wien - Beim Deutschlernen ist eine intakte Beziehung zwischen Kind und Pädagoge oft wichtiger als ein gutes Arbeitsblatt. Das ist eines der wesentlichen Ergebnisse eines Forschungsprojekts an drei Kindergärten in Rudolfsheim-Fünfhaus. Zwei Jahre lang untersuchte dort ein interdisziplinäres Wissenschafterteam von der Universität Wien den Spracherwerb von Kindern und formulierte Empfehlungen, wie Sprachbildung im Kindergarten umgesetzt werden soll. Die Kosten von 322.000 Euro trugen die Stadt Wien und einige weitere Unterstützer.

"Es ist wichtig, dass Kinder ihre Erstsprache benutzen und dass diese wertgeschätzt wird", erklärt Sprachwissenschafterin Katrin Zell, die an dem Projekt mitgearbeitet hat. Dann würden sich die Kinder von ihren Betreuern angenommen fühlen und offener für Lernprozesse sein. Betreuer sollen Kinder etwa nicht ermahnen, wenn diese ihre Muttersprache benutzen, raten die Forscher. Sich ein Basiswissen über die Sprachen der Kinder anzueignen, um zum Beispiel Namen korrekt aussprechen zu können, ist eine weitere Empfehlung.

Druck, Deutsch zu sprechen

Mit der Wertschätzung anderer Sprachen hapert es den Wissenschaftern zufolge in der Praxis teilweise aber noch gewaltig. Zwar sei den Kindergärtnerinnen und Kindergärtnern bewusst, dass die Anerkennung anderer Sprachen wichtig ist, aktiv umsetzen würden sie diese aber oft nicht. "Es gibt einen starken gesellschaftlichen Druck, dass die Betreuer die Kinder anhalten sollen, Deutsch zu sprechen", erklärt Zell. " Das verunsichert." Aus diesem Grund müsse man die Haltung des Kindergartenpersonals gegenüber Mehrsprachigkeit stärken.

Erste Schritte in diese Richtung hat die für Kindergärten zuständige MA 10 laut Leiterin Daniela Cochlár bereits gesetzt. So wurde ein Leitfaden mit konkreten Handlungsanleitungen herausgegeben und Aus- und Weiterbildungsprogramme adaptiert - weitere Schritte sollen folgen. (str, DER STANDARD, 23./24.3.2013)

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