Julia Gillard: Ehrgeizige Machtfrau mit dickem Fell

Kopf des Tages22. März 2013, 19:25
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Die australische Premierministerin ging aus einem geplanten Putschversuch gestärkt hervor

Über sich selbst sagt Julia Gillard, sie sei aus ziemlich hartem Holz geschnitzt. Das hat sich die australische Premierministerin immer wieder selbst bewiesen. Zuletzt am Donnerstag, als sie auf Druck von Anhängern ihres parteiinternen Rivalen Kevin Rudd die Vertrauensfrage stellte - und den Putschversuch überstand, weil Rudd mangels Stimmen gar nicht antrat. Aus dem Machtkampf geht die 51-Jährige gestärkt hervor - vorerst.

Dabei hatte Gillard gerade Rudd einst lange die Treue geschworen. Als er nach dem Wahlsieg der Labor Party 2007 Premier wurde, rückte sie zu seiner Stellvertreterin auf und übernahm die Ressorts Bildung, Beschäftigung und Arbeitsbeziehungen. Als Rudd wenige Monate vor der Parlamentswahl 2010 in den Umfragen abstürzte und der Ruf nach einem Führungswechsel in der Partei lauter wurde, putschte sie auf Drängen von Parteikollegen gegen ihren Verbündeten - und wurde erste Regierungschefin des Landes.

Ehrgeiz und Durchsetzungswillen haben die rothaarige Frau mit der nasalen Stimme ihr Leben lang begleitet. 1961 im walisischen Barry geboren, zogen ihre Eltern und sie 1966 nach Adelaide, Australien. Ihr Vater arbeitete als Krankenpfleger, ihre Mutter kochte. In der Schule zählte sie zu den Besten, nach dem Abschluss studierte sie Jus und Kunst in Adelaide und arbeitete bei einer Anwaltskanzlei, bis sie 1998 für Labor ins Parlament gewählt wurde. Von Beginn an rechnete sie sich dem linken Flügel der Partei zu.

Hassobjekt

Für viele Alphatiere in der australischen Politik ist Gillard ein Hassobjekt. Oft wurde ihr vorgeworfen, dass sie keine Kinder hat und mit ihrem Lebensgefährten, einem Friseur, ohne Trauschein lebt. Ein Freund von Expremier John Howard bezeichnete sie als "absichtlich unfruchtbar" und sprach ihr mangels Familie Führungsqualitäten ab. Andere beschimpften sie als Hure und Hexe. Für internationales Aufsehen sorgte eine Wutrede Gillards im Parlament, in der sie Oppositionsführer Tony Abbott als Sexisten abkanzelte.

Ihrer Partei hat Gillard mit dem Putsch gegen Rudd und den internen Machtkämpfen freilich keinen Gefallen getan. Nach der Wahl 2010 konnte sie nur mithilfe unabhängiger Abgeordneter eine Mehrheit sichern. Immer wieder wurde parteiintern versucht, sie vom Sessel zu stoßen. Auch ihr jetziger Sieg könnte nicht lange halten: Im September wird neu gewählt - die Umfragen prognostizieren Labor eine Niederlage. (Julia Raabe, DER STANDARD, 23./24.3.2013)

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    Australiens Premierministerin Julia Gillard.

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