Unerlaubte Bank für Flucht nach Liechtenstein

22. März 2013, 17:34
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Strafe für einen Treuhänder aus Vaduz, der Kunden seine Privatkonten "borgte"

Wien - Unerlaubter Bankbetrieb, dieser Vorwurf der Finanzmarktaufsicht (FMA) trifft nicht nur den Waldviertler Schuherzeuger Heinrich Staudinger. Während er noch gegen seinen Strafbescheid kämpft, hat der Liechtensteinische Treuhänder E. seine Strafe (4000 Euro) längst beglichen.

Er hat gemäß FMA und einem 2012 rechtskräftig gewordenen Berufungsbescheid des Unabhängigen Verwaltungssenats (UVS) unerlaubt (weil ohne Lizenz) Bank- bzw. Finanztransfergeschäfte getätigt. Und: Aus dem Bescheid geht hervor, wie diskrete Geschäfte mit Liechtenstein funktionier(t)en. Aufgeflogen ist E. nach einer Geldwäscheverdachtsmeldung einer Bank in Feldkirch.

Dort und in Kitzbühel hatte E., Angestellter der Vaduzer Präsidialanstalt, Privatkonten, die er von 2004 bis 2009 ab und zu als Drehscheibe für Kunden der Präsidialanstalt (bzw. für eigene, in deren Stiftungen er saß) nützte. Für sie nahm er laut UVS-Bescheid " Geldbeträge auf seinem Privatkonto entgegen, um sie ... weiterzuleiten".

Den Grund dafür erklärte E. im Verfahren recht offen: "Erfahrungsgemäß ist es so, dass manche Kunden es nicht gerne haben, mit finanziellen Transaktionen mit Stiftungen in Liechtenstein in Verbindung gebracht zu werden." In einem Fall lagen dem Geldringelspiel für die Kunden übrigens Vermittlungsprovisionen für Lieferungen an italienische Kunden der Siemens AG zugrunde.

Sehr oft kamen die Privatkonten des Treuhänders aber nicht ins Spiel. E. gab nämlich an, zu seinen "besten Zeiten in ca. 2000 Stiftungen tätig" gewesen zu sein. Bei den Fällen, für die er bestraft wurde, ging es um Ein- und Auszahlungen von rund zwei Mio. Euro; laut E. handelte es sich dabei um "absolute Ausnahmen".

Provisionen kassierte E. nicht; vielmehr verrechnete die Präsidialanstalt (eine Art Stiftungsdienstleister) den Aufwand ihren Klienten. Die Präsidialanstalt war es laut UVS auch, die von alldem profitierte. In ihrem Interesse sei es gelegen, Kunden in Liechtenstein zu halten und ihnen die Möglichkeit zu bieten, "über E. mit seinen Privatkonten ... die Spur der Gelder von bzw. nach Liechtenstein zu verschleiern". (Renate Graber , DER STANDARD, 23./24.3.2013)

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