David Alabas gewagter Vergleich

21. März 2013, 14:56
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Legionär ortet "Bayern-Mentalität" im ÖFB-Team - Koller und Alaba vor WM-Quali-Duell mit Färöern am Freitag eindeutig zuversichtlich

Wien - David Alaba sagt, dass er sich "aufs Wesentliche konzentriert". Er habe gelernt, sich nicht ablenken zu lassen, einfach nur Fußball zu spielen. Bei Bayern München links in der Viererkette, im österreichischen Nationalteam im zentralen Mittelfeld. Beides sei okay, " der Unterschied ist gar nicht so groß. Bei den Bayern gibt es Superspieler, in der Nationalmannschaft gibt es Superspieler."

Der 20-jährige Alaba ist kein Plaudertascherl, auf eine sehr nette Art antwortet er nicht gerade ausufernd. Er verspürt nicht den Drang, das Leben, den Fußball zu verkomplizieren. "Der Druck bei Bayern ist groß, der Druck im Team ist groß. In München werden Schweinsteiger, Ribery oder Lahm viel öfter gefragt als ich. Da stehe ich nicht ganz so im Mittelpunkt wie hier."

Im Team herrsche mittlerweile eine Bayern-Mentalität, die da lautet: "Mia san mia." Mit der Wahrscheinlichkeitsrechnung befasst sich Alaba kaum. Gefragt, ob die Teilnahme Österreichs an der WM-Endrunde oder ein Sieg der Bayern in der Champions League wahrscheinlicher sei, fällt ihm ein: "Ich träume von beidem."

Löcher finden

Ein Erfolg gegen die Färöer fällt nicht unter die Rubrik "Traum", da passt "Selbstverständlichkeit". Alabas Plan: "Einfach unser Spiel spielen." Teamchef Marcel Koller fordert von Alaba und den zehn anderen "Bereitschaft und Leidenschaft" ein. Das habe gar nichts mit dem konkreten Gegner zu tun. "Wir müssen von der ersten Sekunde an Gas geben. Erst wenn der Schiedsrichter abpfeift, können wir vom Gaspedal weggehen. Läuft es normal, gewinnen wir." Die Färinger verdienten Respekt. "Sie stehen kompakt, haben konditionell keine Probleme. Wir müssen mit schnellen Kombinationen von außen und durch die Mitte kommen, Löcher suchen und Löcher finden."

Gegen die Nummer 153 der Weltrangliste sollten Alabas Fähigkeiten nicht ausschlaggebend sein, das wäre eine vorauseilende Bankrotterklärung. Alaba besitzt laut Koller "einen klaren, schnellen Kopf und eine herausragende Technik". Diese Tugenden werden am 26. März in Dublin gegen Irland gefragt sein. Am 22. März werden 25.000 Zuschauer im Happel-Stadion erwartet. Koller baut speziell in Wien auf den sogenannten zwölften Mann. "Machen wir auf dem Spielefeld Musik, wird es auf den Rängen laut."

Am legendären, bedauerlichen aber irgendwie witzigen 0:1 im Jahre 1990 in Landskrona war der Teamchef schuldlos - und Alaba nicht geboren. Koller hat sich damals lediglich als Schweizer in der Schweiz gewundert. "So etwas brauchen wir nicht mehr."

Julian Baumgartlinger ist angeschlagen und nicht einsatzfähig, die Chancen sind deshalb für beide Mannschaften weder gestiegen noch gesunken. Koller: "Wir haben große Qualität, aber wir müssen sie abrufen. Es bringt nichts, wenn wir danach wieder vor der Presse stehen und sagen, dieses oder jenes hat nicht gepasst. Grundsätzlich ist das Ergebnis wichtig, doch ich gehe nicht davon aus, dass wir ein schlechtes Spiel machen. Die Wahrheit liegt auf dem Platz."

David Alaba stimmt dem zu. "Wir brauchen drei Punkte." Und drei weitere vier Tage später in Irland. Beides sei zu schaffen. "Denn der Unterschied zu Bayern München ist nicht so groß." (Christian Hackl, DER STANDARD, 22.3.2013)

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    David Alaba bestreitet sein 23. Spiel im Nationalteam. Der 20-jährige Wiener ist überzeugt von der Qualität des Kaders, deshalb hält er die Teilnahme an der WM für möglich. Bedingungen sind drei Punkte gegen die Färöer und drei weitere in Irland.

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    Wehe, wenn er losgelassen...

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