Aktualität und Erinnerung

17. März 2013, 18:03
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Das Schönberg Center feierte seinen 15. Geburtstag

Wien - Was immer man gegenüber der Wiener Kulturpolitik an Einwänden haben konnte und kann - die Ermöglichung des Schönberg Centers war bedeutend und von starker symbolischer Wirkung. Dass die Heimholung des Werkes eines von den Nazis Vertriebenen 15 Jahre her ist und sich die Feierlichkeiten nun mit den Erinnerungen an den "Anschluss" vor 75 Jahren überlagern, ergibt zusätzlich Stimmiges. Wobei: Das Jubiläumskonzert im Center blickte nicht nur zurück. Bevor Mitglieder der Wiener Philharmoniker unter Zubin Mehta Schönbergs Kammersymphonie op. 9 etwas raumsprengend umsetzten, hatte das Ensemble Wiener Collage (Dirigent René Staar) nur anwesende Zeitgenossen im Sinn.

Man hörte Bernd Richard Deutschs pointierte Variationen (für Klarinette, Akkordeon, Violine, Viola und Kontrabass), hörte René Staars impulsive Klavier-Bagatellen auf den Namen György Ligeti (op. 14/3a Nr. 1 und 8). Auch Alexander Stankovskis pantomimisch endendes Spiegel-Maske-Gesicht für Kammerensemble und Jorge Sánchez-Chiongs mit Mehrstimmigkeit arbeitenden Three studies für Klarinette waren dabei - wie auch Zdzislaw Wysockis expressive Etüde 102 (op. 69 Nr. 18).

Ein ziemlich intensiver Abend. Wer nicht dabei war, um diese Fülle des Zeitgenössischen zu erleben, kann das Konzert übrigens bei sonostream.tv noch eine Weile nachhören. Natürlich empfiehlt sich am Montag der Besuch des Arditti-Quartett-Konzerts (19.30). (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 18.3.2013)

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