Leben auf der größten Müllhalde Lateinamerikas

13. März 2013, 10:30
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Ein Wiener Schüler reist nach Nicaragua - und lernt dort eine neuartige Welt kennen

Wien - "Der See ist tot. Es leben keine Fische mehr darin", sagt der achtjährige Mika Wohlgenannt, während er an einem Seeufer in Nicaragua steht. Sein Blick fällt von dort auf "La Chureca", die größte Müllhalde Zentralamerikas. Auf einer Fläche größer als der 15. Bezirk, in dem der Wiener Schüler zu Hause ist, wohnen und arbeiten tausende Menschen, der Großteil von ihnen Kinder.

Der Dokumentarfilm Fiesta auf der Müllhalde begleitet Mika auf seiner fünfwöchigen Reise von Wien nach Nicaragua. Der Schüler liebt die Natur und möchte unbedingt einmal in den Regenwald: "Ich habe angefangen, Geld zu sparen für die Reise; und dann ist meine Mutter auf die Idee gekommen, daraus einen Film zu machen." Claudia Wohlgenannt ist Filmproduzentin, die sich mit ihrer Firma Plan C auf Dokumentarfilme spezialisiert hat.

Angekommen in der Hauptstadt Managua, erlebt Mika einen Kulturschock: Nicaragua ähnelt so gar nicht seiner Heimat Österreich. Es zählt zu den ärmsten Ländern Lateinamerikas, über die Hälfte der Bevölkerung lebt von umgerechnet weniger als 1,50 Euro pro Tag.

Mika besucht seine Großtante, die zeitweise in Nicaragua auf einer Finca wohnt. Den Rest des Jahres arbeitet sie als Lehrerin in Wien und sammelt jährlich mit ihren Schülern Geld für ein Kinderfest in La Chureca.

Als die beiden die Müllhalde besichtigen, ist es laut, schmutzig und stinkt. Die Hütten bestehen aus Wellblech; Strom und Wasser funktionieren nur bedingt. Dort treffen sie die elfjährige Francis, die auf der Müllhalde lebt, wo ihre Mutter wiederverwertbare Stoffe wie Plastik oder Metall aus den Tonnen von Abfall aussortiert.

Den Höhepunkt des Films markiert das Fest: Es wird getanzt, gegessen und eine Piñata, eine mit Süßigkeiten gefüllte Papierfigur, zur Freude aller verprügelt. Für einige Stunden können die Kinder ihren Alltag vergessen.

Claudia Wohlgenannt ist Fiesta auf der Müllhalde nicht wie einen Kinderfilm, sondern wie eine normale Doku angegangen: "Die Idee war von Anfang an, ihn so interessant und offen zu gestalten, dass er auch für Erwachsene noch etwas beinhaltet." Für sie sind Kinder dabei im Grunde das ehrlichere und kritischere Publikum. Um sich besser in die jüngere Perspektive hineinzuversetzen, filmten Mika und die Kinder in La Chureca mit einer eigenen kleinen Handkamera.

Der Film läuft im Topkino in Wien. Für Schulklassen gibt es anschließend spezielle Recycling-Workshops in Zusammenarbeit mit der MA 48. (datif, DER STANDARD, 13.3.2013)

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