Walesa-Aussagen stoßen auf Ablehnung

12. März 2013, 13:59
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Einstiger Arbeiterführer sprach davon, homosexuelle ParlamentarierInnen hinter eine Mauer sperren zu wollen

Warschau - Die Mehrheit der Polen möchte die Homosexuellen im Parlament nicht isolieren. Laut der neuesten Umfrage des Instituts "Homo Homini" für die "Rzeczpospolita" widersetzen sich 59 Prozent der Befragten der Äußerung des einstigen polnischen Arbeiterführers Lech Walesa, der Anfang März in einem Fernsehinterview empfohlen hatte, homosexuelle ParlamentarierInnen hinter einer Mauer zu sperren.

31 Prozent stehen hinter Walesas Aussagen

Walesa hatte also nicht Recht, als er sich danach überzeugt zeigte, dass seine Auffassung über Homosexuellen "fast die ganze Nation unterstützt, und nur ein paar meinungsbildende Menschen dagegen sind". Immerhin 31 Prozent der Befragten unterstützen jedoch tatsächlich Walesas Position. 13 Prozent davon "entschlossen", 18 Prozent "eher".

Im Gespräch mit der Zeitung spielte Walesa die Ergebnisse der Umfrage herunter und beharrte auf seiner Position. "Menschen richten sich nach der politischen Korrektheit. In der Tat sind 99 Prozent meiner Meinung und dagegen ist nur ein Prozent", erklärte Walesa.

Soziologe: PolInnen stoßen sich an Wahl der Worte, nicht am Inhalt

Soziologe Pawel Spiewak ist der Auffassung, dass die Ergebnisse der Befragung nicht von einer größeren Akzeptanz der Polen gegenüber Homosexuellen zeugen. Seiner Meinung nach zeigen die Ergebnisse nur, dass die Mehrheit der BürgerInnen die scharfe, diskriminierende Sprache von Walesa nicht akzeptiert. "Walesa hat übertrieben, weil er sich Worten bediente, die für die Mehrheit der Polen inakzeptabel sind", sagte Spiewak gegenüber der "Rzeczpospolita".

Der Ex-Präsident und Friedensnobelpreisträger hatte sich am 1. März im Fernsehsender TVN24 in der Diskussion um Homosexuellen-Ehen gegen zu weitreichende Forderungen Homosexueller ausgesprochen. "Sie müssen wissen, dass sie eine Minderheit sind und sich mit kleinen Dingen abfinden müssen, aber nicht nach Gipfeln streben sollen", sagte Walesa. Seiner Meinung nach sollten homosexuelle Abgeordnete im Parlament in der letzten Reihe sitzen "und sogar hinter einer Mauer". Auch Demonstrationen von Schwulen und Lesben sollten laut Walesa nicht im Stadtzentrum, sondern in Außenbezirken stattfinden. Seine Worte waren sowohl in Polen als auch in Ausland stark kritisiert worden. (APA, 12.3.2013)

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    Lech Walesa glaubt weiterhin an die Mehrheitsfähigkeit seiner Äußerung, auch wenn Meinungsumfragen das Gegenteil sagen.

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