Telekom-Prozess geht in die zweite Instanz

5. März 2013, 17:49
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Staatsanwalt ficht Urteile gegen Fischer und Colombo an

Wien - Zumindest für einen der fünf Angeklagten ist der Prozess um Kursmanipulationen der Telekom Austria (TA) ausgestanden: Heinz Sundt, von 2000 bis 2006 Generaldirektor der Telekom Austria, ist rechtskräftig freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft Wien hat auf Strafberufung verzichtet. Somit ist der Freispruch (mangels Beweisen) des Schöffensenats unter Richter Michael Tolstiuk rechtskräftig, Sundt ein unbescholtener Mann.

Sehr wohl Strafberufung eingelegt hat die Anklagebehörde gegen die Haftstrafen, zu denen Sundts Ex-Vorstandskollegen, Rudolf Fischer und Stefano Colombo, verdonnert wurden. Das Strafausmaß sei in beiden Fällen zu niedrig, bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. In der Urteilsbegründung hatte der Richter angeführt, dass Fischer " tatsachengeständig" gewesen sei und einen Teil des Schadens (500.000 Euro für Scheingeschäfte mit dem Lobbyisten Peter Hochegger) an die TA zurückgezahlt habe; das habe strafmildernd gewirkt. Erschwerend sei allerdings die Schadenshöhe von knapp zehn Mio. Euro gewesen. Fischers Verteidiger, Otto Dietrich, war am Dienstag nicht erreichbar, hatte aber bei Prozessende angekündigt, wegen Nichtigkeit und Berufung zum Obersten Gerichtshof (OGH) zu gehen.

Nächste Instanz auch für Colombo

In die nächste Instanz geht auch das Untreueverfahren gegen Ex-Telekom-Finanzchef Colombo, der bis zuletzt jede Involvierung in die 2004 bei Börsenmakler Johann Wanovits in Auftrag gegebene "Kurspflege" vehement bestritten hat. Colombo war vorigen Mittwoch zu 3,5 Jahren unbedingt verurteilt worden. Sein Rechtsbeistand, Rudolf Mayer, hat Nichtigkeit und Berufung eingelegt, wie er auf Standard-Anfrage bestätigt.

Bleibt der frühere Prokurist Josef Trimmel. Er war ab Februar 2004 Kontaktmann zu Euro-Invest-Banker Wanovits und fungierte als Geldbote zwischen Hochegger und dem Banker - wofür er laut Angaben des präsumtiven Kronzeugen Gernot Schieszler mit geschätzten 40.000 Euro Bargeld honoriert wurde. Für diese Beihilfe wurde der " tatsachengeständige" Trimmel (er will nebst dem zu Unrecht bezogenen Erfolgsbonus auch das Bargeld retournieren) zu einem Jahr unbedingt und zwei Jahren bedingt verurteilt.

Offen ist das Untreueverfahren gegen Wanovits. Es geht Anfang April mit der Einvernahme eines weiteren Zeugen weiter. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 6.3.2013)

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    Hat leicht lachen: Ex-Telekom-Chef Heinz Sundt ist frei.

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