Partner-Shopping für ÖBB-Stückgut

4. März 2013, 18:14
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Bahn sucht Exit-Strategie und Partner für defizitäre Geschäftssparte Kontraktlogistik

Wien - Die Suche nach Investoren für die defizitäre ÖBB-Stückgutsparte (Kontraktlogistik) befördert kreative Varianten zutage. Jüngst entriert: Der im August aus der Gütersparte Rail Cargo Austria (RCA) hinauskomplimentierte Finanzvorstand Andreas Fuchs könnte nicht nur Chef der neuen Kontraktlogistik-Tochter werden, sondern auch deren Miteigner.

Wie der Standard in RCA-Kreisen erfuhr, könnte der wegen Meinungsverschiedenheiten über den Kurs der RCA verabschiedete Fuchs einen Teil seiner Abfindung bei RCA einbringen. Der Transfer hätte für beide Seiten Vorteile: Der über Postbus-Chefetage und ÖBB-Personenverkehr 2010 in der RCA-Führung engagierte Ex-Manager würde so einen Teil seiner Abfindung quasi "unbar" erhalten. Die Bahn, die stets vehement bestritt, dass sich Fuchs' Abfindung auf bis zu 1,6 Mio. Euro belaufe, erhielte von ihrem Konsulenten eine weitere Gegenleistung. Fuchs war für eine Stellungnahme nicht erreichbar, eine ÖBB-Sprecherin wollte "Spekulationen" nicht kommentieren.

Auf Schiene in die Zukunft ist die im Dezember als eigene Gesellschaft von RCA ausgegliederte Kontraktlogistik (KL) damit noch nicht. Es werde auch noch mit anderen Investoren für KL verhandelt. Auch ein Joint Venture mit dem Grazer Logistiker JCL (Jöbstl) sei noch nicht vom Tisch.

RCA erwirtschaftete mit 1059 Beschäftigten in der Kontraktlogistik zuletzt 218 Mio. Euro Umsatz. Nun könnte die Sparte, die Handelsware transportiert (der Umschlag erfolgt in ÖBB-Logistikzentren) von der RCA in die ÖBB-Holding verschoben werden. Das brächte RCA frisches Geld. Zuletzt wurde die dünne Eigenkapitaldecke der RCA durch den Verkauf tausender Güterwagen an ihre Tochter Iwag aufgepolstert, und den Verkauf ihrer Logistikcenter an die RCA-Schwester ÖBB-Infrastruktur. (ung, DER STANDARD, 5.3.2013)

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