Managergagen: Debatte erreicht Österreich

4. März 2013, 16:18
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Die Schweizer sind der fetten Gehälter in den Führungsetagen überdrüssig, hierzulande sieht man ebenfalls Anpassungsbedarf bei Manager-Gehältern

Wien - Die Schweizer sind der hohen Millionengehälter in den Führungsetagen überdrüssig. In Zukunft sollen die Aktionäre die Löhne der Top-Manager festlegen. Eine deutliche Mehrheit von 68 Prozent stimmte am Sonntag der "Volksinitiative gegen die Abzockerei" zu. Die von dem mittelständischen Unternehmer und parteilosen Politiker Thomas Minder eingebrachte Vorlage erhielt so viele Ja-Stimmen wie kaum je zuvor eine Gesetzesvorlage. Jetzt geht es bei den Eidgenossen um die Umsetzung. In Deutschland folgte eine entsprechende Diskussion auf den Fuß.

Auch in der EU hat es vorige Woche Entscheidungen zur Beschränkung von Spitzeneinkommen gegeben, allerdings nur für Banker. Im Rahmen des Bankenpakets haben sich EU-Parlament, Minister der EU-Mitgliedsländer und EU-Kommission darauf geeinigt, dass für Banker ab 2014 im Normalfall der Bonus nur mehr so hoch wie ein Jahresgehalt sein darf, die Aktionäre können den Bonus bis auf das Doppelte des Jahresgehaltes aufstocken. Die EU-Regeln gelten allerdings nicht für andere Branchen.

Österreich nicht in der Champions League

Was die Manager-Vergütung anbelangt, spielt Österreich nicht in der Champions League mit. In Rankings der bestbezahlten Manager Europas spielt allenfalls Siemens-Chef Peter Löscher  - und das an der Spitze eines deutschen Unternehmens - mit. Trotzdem sieht Anleger-Schützer Wilhelm Rasinger auch in Österreich Handlungsbedarf, wie er im Gespräch mit derStandard.at erläutert. Ehe der Gesetzgeber überschießend formuliere, gelte es, zu Regelungen mit Hausverstand zu kommen. Rasinger sieht die Voraussetzungen dafür hierzulande mit der Arbeitsgruppe für Corporate Governance gegeben. Sie ist seit dem Abgang von Kapitalmarktvertreter Richard Schenz kopflos. Jetzt sähe Rasinger sie gerne wieder aktiviert. Ein Gesetz zur Beschränkung von Managerbezügen hält Rasinger aber für den falschen Weg.

Nach Interventionen von Wirtschaftskammer und Industriellenvereinigung sei eine komplizierte Norm zu erwarten, die nur die einschlägigen Berater freue, die mit hohen Honoraren entweder die Anwendung oder die Umgehung derselben den Betroffenen aufzeigen würden. Die Unternehmen sollten - ausländischen Beispielen folgend - einen verständlichen Vergütungsbericht für die Aktionäre und die Öffentlichkeit erstellen. "Kurz und präzise", wie Rasinger es formuliert. "Nicht so, wie in Deutschland, dort umfasst das zwanzig Seiten. Das versteht keiner."

Mehr Transparenz

Im Wesentlichen ginge es dabei  auch um Transparenz, indem die Prinzipien  der Vergütungsgrundsätze veröffentlicht werden  und auch über die Durchschnittsgehälter der übrigen Belegschaftsgruppen und der Frauen informiert  werde. Die Grundsätze der Vergütungen und die Struktur des Berichts sollten durch den Corporate Governance Kodex vorgeben werden, so Rasinger. Die variablen Anteile müssten auf mehrere Jahre verteilt ausbezahlt werden. Eine prozentuelle Begrenzung der variablen Entgeltkomponenten vom Fixbezug hält Rasinger ebenfalls für sinnvoll.

Was Rasinger sich ebenfalls gut vorstellen könnte: Die Hauptversammlung sollte in einer nicht bindenden Abstimmung ein Urteil fällen – „Say on Pay". Im Ausland hätte sich diese Vorgangsweise als dämpfende Maßnahme bewährt. Wo der Gesetzgeber eingreifen könnte, wäre allenfalls im Rahmen des Steuerrechts. Mögliche Akzente: Ab einer  gewissen Betragsgrenze könnte er die Begünstigung des 13. Und 14. Monatsbezugs streichen.

Millionenabfindungen in staatsnahen Betrieben

Auch Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl fordert als Reaktion auf das Schweizer Votum Konsequenzen. Wobei der Kammerpräsident zunächst auf staatsnahe Betriebe zeigt, wo die "Vertragsschablone" geändert werden solle.  "Während wir uns in den Unternehmen mit der Zulässigkeit von 100-Euro-Einladungen herumschlagen müssen, werden in staatsnahen Betrieben erfolglose Manager mit Millionenabfindungen heimgeschickt. Das zu ändern, scheint mir eine angebrachte Lehre aus dem Schweizer Votum zu sein", so Leitl am Montag in einer Aussendung.

Wer Leistung erbringe, solle "entsprechend" entlohnt werden, wer aber "nicht leistet oder gar Schaden anrichtet, darf dafür nicht auch noch belohnt werden", meint Leitl und fordert ebenfalls mehr Transparenz bei Managergehältern.

Was die politischen Parteien betrifft, so sieht man bei der ÖVP für Änderungen keinen Bedarf. Man habe ohnedies die Banker-Boni geregelt sagt ÖVP-Sprecherin Michaela Berger auf Anfrage. Aus dem Büro von SPÖ-Staatssekretär Andreas Schieder heißt es, man finde die Initiative interessant und stehe ihr positiv gegenüber.  (rb, derStandard.at, 4.3.2013)

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