Krieg in Syrien: Gemeinsame Interessen

Kommentar28. Februar 2013, 18:26
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Den totalen Kollaps fürchten mittlerweile alle äußeren Akteure

Der Konflikt in Syrien ist nicht militärisch zu lösen - nicht, wenn am Ende noch ein Staat vorhanden sein soll, auf dem man aufbauen kann. Den totalen Kollaps fürchten mittlerweile alle äußeren Akteure: Sie gehen davon aus, dass der sunnitisch-schiitische Bürgerkrieg im Irak ein blasser Abklatsch dessen war, was in Syrien kommen würde. Es geht nicht mehr darum, ob und wann das kaputte Regime fällt, sondern um das, was nachher kommt.

Deshalb verändern sich die Positionen: Dass sich Moskau den syrischen Außenminister Walid al-Muallem kommen und diesen danach verkünden lässt, das Regime würde auch mit kämpfenden Gruppen reden, ist eine Wende. Schritt für Schritt könnte Russland Bashar al-Assad in eine Richtung treiben, Konzessionen erzwingen, die letztendlich zu seinem politischen Ende führen. Offenbar beginnt sich Moskau damit abzufinden, dass Assad nicht mehr selbst zum Moderator eines Übergangs taugt, wie es bis vor kurzem die russische Position war.

Aber auch die USA scheinen ein offeneres Ohr für die Bedürfnisse jener zu haben, die dem Aufstand nicht vertrauen. Sie reden mit Skeptikern, sie arbeiten mit der Opposition, versuchen aber, ihre Unterstützung strategisch einzusetzen: gegen die sunnitischen Extremisten, die den Aufstand gekapert haben. Hier treffen sich die Interessen Washingtons und Moskaus, und hier liegt auch die letzte Hoffnung für ein baldiges Ende des Kriegs. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 1.3.2013)

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