Erkaufte Unterstützung

Kommentar27. Februar 2013, 18:18
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Personenkult auf allen Kanälen: Stronach und Pröll lassen werben

Wer lässt sich kaufen in Wahlkampfzeiten? Diese Frage stellt sich dringender denn je. Aktuelle Anlässe sind Inserate und TV-Berichte.

Puls 4 strahlte zur besten Sendezeit am Sonntagabend zwei Stunden und 45 Minuten lang "Die große Frank Stronach Story" aus. Ein unkritisches, aufwendig produziertes Porträt, das teilweise in Kanada gedreht worden ist. Vor dem Kaminfeuer darf sich Stronach präsentieren: wie er aus einer "ärmlichen Kohlegrubensiedlung" zum Milliardär aufstieg und nun " Österreich verändern will". Dieses Heldenepos wird nicht durch lästige Fragen unterbrochen wie bei seinen Auftritten im "Zeit im Bild"-Studio oder bei der Sendung "Im Zentrum".

Die seit der Ausstrahlung in Medienkreisen diskutierte Frage drängt sich auf, ob sich der kleine Privatsender solchen Aufwand überhaupt leisten kann. Der Vorwurf, dass der Milliardär und Neo-Wahlwerber mitgezahlt hat, steht seither im Raum. Offiziell teilte das Team Stronach via Twitter am Dienstagabend mit: "Zu Puls-4-Doku: Team Stronach hat die Bewerbung der Doku bezahlt und sich auch die Verwendung des Videomaterials gesichert."

Auch wenn Fragen, wie viel Geld geflossen ist, weder vom Team Stronach noch vom Sender beantwortet werden: Das ist gekaufter Journalismus. Die journalistische Glaubwürdigkeit des Senders ist damit beschädigt. Dieser Schaden wird nicht dadurch gemindert, dass nach der Ausstrahlung der Doku ein Interview der Journalistin Corinna Milborn mit Stronach kritische Fragen enthielt. Einer Konfrontation mit Grünen-Chefin Eva Glawischnig hat sich Stronach verweigert. Gegenstimmen fehlten in dem Streifen.

Auffällig freundlich ist die Berichterstattung über Stronach auch in den Boulevardmedien. Dass es einen Zusammenhang zwischen dem Tenor der redaktionellen Berichte und der Anzahl der Anzeigen gibt, kann vermutet werden. Nicht zuletzt deshalb, weil Stronachs Pressesprecher Rouven Erlschweiger in einer von "Profil" publizierten E-Mail klargemacht hat: "Devise ist: Wir gehen nur in Medien, die uns freundlich gesinnt sind und von denen auch eine positive Berichterstattung zu erwarten ist."

In allen Medien präsent ist auch Erwin Pröll. In Niederösterreich, dessen Landesstudio häufig als "Schwarz-Funk" tituliert wird, ist das nicht nur in Wahlkampfzeiten so. Pröll kommt mit großem Abstand am häufigsten in der ORF-"Bundesland heute"-Sendung vor. Er hat fast doppelt so viel Sendezeit wie der Zweitplatzierte, Oberösterreichs Josef Pühringer, und mehr als dreimal so viel wie Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller, ergab eine "TV-Media"-Auswertung.

In Inseraten werben Proponenten eines "überparteilichen Personenkomitees zur Unterstützung des Landeshauptmanns von Niederösterreich": Auffällig ist, dass besonders viele Künstler dabei sein. Der Filmemacher Ulrich Seidl begründete am Mittwoch im Ö1-"Morgenjournal" das Engagement: "Offensichtlich hat Erwin Pröll erkannt, dass man der Kunst und den Künstlern letztendlich Raum geben muss." Niederösterreich gibt tatsächlich überdurchschnittlich viel für Kultur aus. Das führt offensichtlich dazu, dass Künstler lieber nichts Kritisches sagen. Mehr als ein Dutzend wollten auf STANDARD-Anfrage nichts zum Wahlkampf sagen. Auch so kann man sich Unterstützung erwerben. (Alexandra Föderl-Schmid, DER STANDARD, 28.2.2013)

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