Ein Prinz und ein Freispruch

26. Februar 2013, 17:31
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Prinz von und zu Liechtenstein sagte im Immofinanz-Prozess als Zeuge aus

Wien - Am Dienstag war die Hocharistokratie am Wiener Straflandesgericht beim Immofinanz-Prozess angesagt, der nach dreiwöchiger Unterbrechung weiterging. "Herr Magister Liechtenstein bitte", bat die Richterin den früheren Aufsichtsratspräsidenten der Constantia Privatbank (CPB), der als Zeuge geladen war, in den Verhandlungssaal.

Prinz Michael von und zu Liechtenstein, wie sein voller Name lautet, ist ein Cousin des Staatsoberhaupts Fürst Hans Adam II. Und er war der jüngere Bruder des verstorbenen ehemaligen steirischen ÖVP-Politikers Vincenz Liechtenstein. Der Gründer des Constantia-Industrie-Imperiums mit angeschlossener Bank, der verstorbene Herbert Turnauer, war Adeligen sehr zugetan. Prinz Michael hatte diesbezüglich alles zu bieten: Seine Mutter war die jüngste Schwester von Otto von Habsburg, Elisabeth Charlotte verwaltete die Turnauer-Stiftungen in Vaduz.

Liechtenstein, der im Fürstentum als Präsident einer internationalen Finanzdienstleistungsgesellschaft und als Treuhänder tätig ist, belastete die beiden Angeklagten Ex-CPB-Vorstände Karl Petrikovics und Norbert Gertner. Von Optionsgeschäften und Scheinrechnungen, wie die Anklage lautet, habe er nichts gewusst. Liechtenstein: "Wir gingen davon aus, dass man den Führungskräften vertraut." Auf Fragen der Anwälte der Beschuldigten waren die Antworten Liechtensteins monoton: Von "das weiß ich nicht, das kann ich nicht sagen, da kann ich mich nicht erinnern, das kann ich jetzt nicht beurteilen", reichte das Repertoire. Auf die abschließende, rhetorische Frage der Richterin, ob Liechtenstein eine Fahrtkostenentschädigung brauche, antwortete er dann dezitiert mit "nein" .

Anklage zurückgezogen

Für Überraschung sorgte zu Mittag Staatsanwalt Volkert Sackmann, der die Anklage gegen den oberösterreichischen Steuerberater, Treuhänder und Finanzfachmann Ernst Leo Hable zurückzog. Hable fungierte für Petrikovics & Co als Treuhänder. Über Hable lief die Auszahlung der Gewinne aus den geheimen Geschäften an die Ex-Vorstände. Der Gewinn aus dem Aktienverkauf, rund 20 Millionen Euro, wurde an Hable überwiesen. Dieser teilte das Geld umgehend auf Petrikovics, Gertner und Ex-CPB-Aufsichtsrat Helmut Schwager auf. Hable behielt laut eigenen Angaben nur 1800 Euro für Bankspesen.

Treuhandschaft

Wenn er gewusst hätte, was die Hintergründe waren, hätte er die Treuhandschaft nie übernommen, versicherte Hable, als er noch auf der Anklagebank saß. Er habe die Treuhandschaft "unentgeltlich und ehrenamtlich" ausgeübt, wie alle seine Treuhandschaften, beteuerte er.

Die Einvernahmen hätten laut Staatsanwalt nicht ergeben, dass Hable einen Untreue-Vorsatz hatte bzw. von jenem der Angeklagten wusste und diesen hätte teilen können. "Ich ziehe daher die Anklage zurück und ersuche um einen Freispruch", so der Ankläger. Hable verabschiedete sich hocherfreut von der Richterin.

Hable ist in Oberösterreich kein Unbekannter. Der langjährige Finanzvorstand des Mühlviertler Kunststoffkonzerns Engel (1981 bis 1990) hat über seine Privatstiftung bzw. die Hable Holding und die Hanova Industrieholding etliche Beteiligungen. Hable investiert auf eigene Rechnung - häufig auch mit dem Rechtsanwalt Rudolf Fries - und hat ein weit verzweigtes Firmenimperium. Hable sei ein genialer Steueroptimierer, der Engel viele Millionen erspart habe, heißt es.

Viel Geld verdienten Hable wie u. a. auch Fries (der am Dienstag als Zeuge aussagte) und Petrikovics mit dem Engagement bei Boehler Uddeholm. Die in Schwertberg ansässigen Familien Fries und Schwarz (Eigentümer von Engel) beteiligten sich nach Hables Ausstieg bei Engel auch an dessen Hanova.

Für die verbliebenen drei Angeklagten Petrikovics, Helmut Schwager und Christian Thornton geht der Prozess weiter. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, "ohne Risiko und ohne Kapitaleinsatz" Geld verdient bzw. daran mitgewirkt zu haben. Durch diese Aktienoptionen sollen Töchter der Bank bzw. der Immofinanz-Gruppe in Millionenhöhe geschädigt worden sein. (cr, cwi, DER STANDARD, 27.2.2013)

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    Prinz Michael von und zu Liechtensteins Stammbaum ermöglichte es ihm, für den Industriellen Turnauer tätig zu werden. Er war Aufsichtsratschef von Turnauers Bank und in den Stiftungen.

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