Der Parksheriff und der Kaugummi: Prozess um tätlichen Angriff auf Beamten

25. Februar 2013, 19:31
107 Postings

Vor dem Straflandesgericht sagt Hildegard M. aus, da bei einer Amtshandlung im November 2012 Nihad R. ihren Kollegen bedroht und tätlich angegriffen haben soll

Wien - "Erst hat er nur diese normalen Sachen wie Arschloch gesagt", berichtet Zeugin Hildegard M. dem stoisch zuhörenden Richter Stefan Erdei. Die Normalität der Ausdrucksweise hängt mit M.s Beruf zusammen: Sie ist ein Organ der Parkraumüberwachung, in Wien besser bekannt als Parksheriff. Vor dem Straflandesgericht sagt sie am Montag aus, da bei einer Amtshandlung im November 2012 Nihad R. ihren Kollegen bedroht und tätlich angegriffen haben soll. Indem er ihm einen Kaugummi unter den Kragen geklebt hat.

"Ich war nicht einmal vor Ort, ich war bei meiner Mutter", leugnet der 31-jährige Angeklagte alles. "Und wer ist dann mit Ihrem Auto gefahren?" , will Erdei wissen. Das kann sich N., dem eine prominente Rolle in der Wiener Rotlicht-Szene nachgesagt wird, absolut nicht erklären.

Dass sein Auto bei der Stadthalle illegal abgestellt war, ist nämlich sicher. Ebenso, dass nach der Strafzettel-Ausstellung ein Mann aus einem Lokal kam, der mit der Amtshandlung überhaupt nicht einverstanden war.

Und M.s Kollegen Robert F. heftig beschimpfte. "Na du g'schissena Weißkappler, soll i da die Kappn glei obareißen oder dia in die Goschn hauen?", schildert der in Uniform erschienene Zeuge ausführlich die Verbalinjurien, die auch seine sexuelle Orientierung betrafen. Irgendwann griff ihm der Täter, den beide Parksheriffs im Gerichtssaal eindeutig als N. identifizieren, an den Uniformkragen.

In einem Aufenthaltsraum bemerkte der Beamte dann, dass dort ein Kaugummi klebte. Den könne nur der Angeklagte angebracht haben, ist er überzeugt. "Den Kaugummi habe ich daheim dann abgelöst. Den habe ich immer noch", demonstriert F., wie man vorbildlich zur Wahrheitsfindung beiträgt. Denn der Prozess wird auf unbestimmte Zeit vertagt, um den Kaugummi um einige hundert Euro auf DNA hin zu untersuchen. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 26.2.2013)

Share if you care.