Homosexuelle Paare: Pattsituation vor dem Trauungssaal in Graz

25. Februar 2013, 18:17
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SPÖ, KPÖ, Grüne und Piraten versuchen erneut, den Trauungssaal im Grazer Rathaus auch für homosexuelle Paare zu öffnen

Graz/Wien – In Österreich wurde im Vorjahr mehr geheiratet als zuvor. Besonders deutlich war dabei der Anstieg im vergangenen Dezember mit 78,2 Prozent mehr Eheschließungen. Dieser "Ausreißer" ist aber durch das besondere Datum, den 12.12. 2012 zu erklären, dass offenbar viele Menschen zusätzlich dazu anspornte, sich zu trauen. Im Jahresdurchschnitt nahmen, verglichen mit 2011, Hochzeiten um 6,1 Prozent auf insgesamt 38.557 zu.

Erfasst sind in dieser Statistik ausschließlich Trauungen, also standesamtliche Eheschließungen zwischen heterosexuellen Paaren, keine eingetragenen Partnerschaften, die Schwulen als Ehe-Surrogat zur Verfügung steht.

Doch auch diese ist nicht zuletzt durch den Sieg, den ein lesbisches Paar vor einer Woche in Sachen Adoption vor dem Europäischen Menschenrechtsgerichtshof (EGMR) in Straßburg errungen hatte, wieder Thema.

So auch in Graz, wo es bereits 2009 Streit um die Nutzung des Trauungssaales im Rathaus gab. ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl meinte damals, dass die Locations des Universalmuseums Joanneum, (der Skulpturenpark und das Schloss Eggenberg), und im Rathaus das Mediacenter, wo  sonst Pressekonferenzen der Stadt abgehalten werden, für Schwule und Lesben reichen würden.

Nagls damalige Vizebürgermeisterin, die in einer lesbischen Beziehung lebende Grüne Lisa Rücker, sah das anders. Nun entfacht sich der Streit um den Trauungssaal neu. Denn eine Allianz aus Grünen, der Sozialistischen Jugend (SJ) und der Grazer KPÖ fordert Nagl abermals auf, den feierlichen Saal für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen.

Unter anderem plant die SJ am 1. März am Grazer Hauptplatz, also vor dem Rathaus, einen Hochzeits-Flashmob mit dem Titel:  "Zeigen wir ÖVP & FPÖ, wie das 21. Jahrhundert aussieht!"

Ihrer Jugendorganisation anschließen will sich auch die neue Vizebürgermeisterin von Graz, Martina Schröck (SPÖ): "Ich habe schon in der letzten Periode einen neuen Anlauf in dieser Sache gemacht, seither hat sich an meiner Meinung nichts geändert", sagt  Schröck am Montag. Sie wolle daher auch am Flashmob teilnehmen.

Auch der Gemeinderat der Piraten, Philip Pacanda, unterstützt die Öffnung des Saals für alle Paare "absolut, das ist eine wichtige Forderung von uns!"

Nichts geändert hat sich an der Haltung des Bürgermeisters. "Wir öffnen den Trauungs-Saal nicht, weil das keine Trauung ist", erklärt Nagls Sprecher Thomas Rajakovics dem STANDARD, "wenn ein Höchstgericht das als Trauung bezeichnet, öffnen wir die Türen".

Ordentliche Räumlichkeiten

Man habe für die "Verpartnerlichung mit Gästen", wie Rajakovics die Zeremonie bei homosexuellen Paaren nennt, ohnehin schon "ordentliche Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt, da gab es nie Beschwerden". Die Entscheidung in Straßburg ändere nichts, da man "in der Steiermark in Sachen Pflegeeltern "schon lange lösungsorientiert" vorgehe.

Da auch die FPÖ ihren alten Standpunkt, nicht ändert, gäbe es im Gemeinderat eine Pattsituation von 24:24. Pirat Pacanda sieht das dennoch hoffnungsfroh: Vielleicht kommen ja ein Schwarzer oder ein Blauer nicht zur Sitzung. FPÖ-Klubsekretär Matthias Eder meint dazu: "Wir wollen das nicht gleich wie eine Ehe behandeln, weil das nicht das gleiche ist. Da sind wir im Klub einhellig." (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 26.2.2013)

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    2012 tauschten in Österreich mehr Paare die Ringe als 2011. Im Grazer Trauungssaal dürfen das auch 2013 nur Heteros.

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