Korneuburger Grundwasser: Sanierung weiter im Gang

25. Februar 2013, 13:03
posten

Aktivkohleanlagen laut Bezirkshauptmannschaft effizient - Werksgelände soll mit Dichtwand umschlossen werden

Korneuburg - Im Rahmen der Grundwassersanierung in Korneuburg sind durch die eingesetzte Aktivkohle bis dato rund vier Kilogramm Clopyralid entfernt worden. Mit den Aktivkohleanlagen werden rund 93 Prozent der Verunreinigungen erfasst, erläuterte die Bezirkshauptmannschaft am Montag zum Stand der Maßnahmen aufgrund der Kontamination durch einen Pflanzenschutzhersteller.

In Summe werden derzeit 42 Liter pro Sekunde - mit den nächsten Schritten 47 l/s - auf Trinkwasserqualität gereinigt. Pro Tag werden 85 Gramm Clopyralid entfernt. Um eine Ausbreitung des Herbizids in Richtung Langenzersdorf zu verhindern, wird aus zwei Brunnen Grundwasser im Ausmaß von 26 Litern pro Sekunde in die Donau abgepumpt, womit vier Gramm Clopyralid pro Tag abgeleitet werden. "Diese Maßnahme wird durch regelmäßige Probenahme überwacht, wobei die Pestizide bisher in der Donau nicht nachweisbar waren", betonte die Behörde.

Zusätzlich zu den bereits laufenden vier Reinigungsanlagen soll Ende April eine weitere in Betrieb genommen werden. Außerdem wurde aufgrund einer Variantenstudie entschieden, das Werksgelände, von dem die Kontamination ausgegangen war, mit einer Dichtwand zu umschließen.

Ergänzende Reinigungstechnologien

Geprüft werden auch ergänzende Reinigungstechnologien wie eine In-situ-Reinigung mit Mikroorganismen. Das Forschungsprojekt am IFA Tulln (Universität für Bodenkultur, Wien) befasst sich damit, ob und in welchem Umfang Pestizide durch Mikroorganismen im Untergrund abgebaut werden können, und sieht eine toxikologische Bewertung der Abbauprodukte vor. Die Laufzeit wurde mit sechs Monaten angegeben. Weiters würden oxidative Verfahren mit Ozon und Peroxid und in Kombination mit UV angedacht. Schon jetzt sei aber absehbar, dass alternative Verfahren die bisher angewandte Methode der Aktivkohle nicht ersetzen, gegebenenfalls aber ergänzen und beschleunigen können, hielt die Bezirkshauptmannschaft fest.

Pflanzenschutzmittel waren durch einen Industriebetrieb ins Grundwasser gelangt. Die Bezirksverwaltungsbehörde beauftragte daraufhin 2011 und 2012 die AGES, mögliche Auswirkungen dieser Verunreinigung auf Flora und Fauna sowie die Gesundheit zu bewerten. Den nach international anerkannten und weltweit gültigen Standards erstellten Gutachten zufolge stelle das Wasser kein belegbares Risiko für den Menschen dar, entspreche allerdings nicht den gesetzlichen Voraussetzungen für Trinkwasser. Die Nutzung des kontaminierten Wassers als Trinkwasser sei aus Vorsorgegründen daher zu vermeiden.

Gießversuche bezüglich der Auswirkungen auf Pflanzen und landwirtschaftliche Kulturen seien im Gang. Bei Gräsern etwa seien keine Schäden zu erwarten. Kein Risiko bestehe für Vögel und Säugetiere. Eine Gefährdung von Bienen durch die festgestellten Insektizide Clothianidin und Thiamethoxam sowie dessen Metaboliten sei nicht auszuschließen. Das gelte auch für sensible aquatische Organismen etwa in Gartenteichen, in Fließgewässern sei mit keinen negativen Auswirkungen auf Wasserorganismen zu rechnen. (APA, 25.2.2013)

Zum Thema
Korneuburger Grundwasser: Behörden wegen Verunreinigung beschuldigt
- Beitragstäterschaft vermutet - Umweltorganisation fand ähnlichen Fall in der Vergangenheit

Share if you care.