Auflagen für Oscar Pistorius: Keine Waffen, kein Pass, kein Alkohol

23. Februar 2013, 13:49
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Sportstar zahlte erste Rate der Kaution - Vater des Opfers: "Er muss mit seinem Gewissen leben"

Pretoria - Der südafrikanische Paralympics-Star Oscar Pistorius ist wieder frei. Nach acht Tagen Haft in einer Zelle der Brooklyn-Polizeistation von Pretoria verbrachte der 26-Jährige die erste Nacht in Freiheit im Haus seines Onkels im Stadtteil Waterkloof. Der unter Mordverdacht stehende Sportler, der am Valentinstag seine Freundin Reeva Steenkamp erschossen hat, war am Freitag überraschend gegen Kaution entlassen worden.

Pistorius muss jedoch zahlreiche Auflagen erfüllen. Er darf nicht in sein Haus in Silverwood Estate zurückkehren, in dem die 29-jährige Steenkamp getötet wurde. Pistorius ist untersagt, Kontakt zu den Zeugen des Verfahrens aufzunehmen. Er darf auch keinen Flughafen betreten, keinen Alkohol trinken oder Drogen konsumieren.

Waffen und Reisepässe abgeben

Zudem musste der Profisportler alle seine Waffen und Reisepässe abgeben, die er besitzt, berichtet der Guardian. Um wieviele Waffen und Pässe es sich handelt, war nicht bekannt. Jeden Montag und Freitag muss sich Pistorius auf einer Polizeistation melden. Er muss telefonisch rund um die Uhr erreichbar sein. Will er Pretoria verlassen, muss er bei den Behörden darum ansuchen

Pistorius habe am Freitag eine erste Kautionsrate in Höhe von 100.000 Rand (8.500 Euro) gezahlt und sei anschließend entlassen worden, berichtete der Sender SABC. Insgesamt hatte Richter Desmond Nair eine Million Rand als Gesamtbetrag festgesetzt.

Vater appelliert an Gewissen

Unterdessen appellierte Reevas Vater Barry Steenkamp an das Gewissen des Sportlers. "Es ist egal, wie viel Geld er hat oder wie gut sein Anwaltsteam ist, er muss mit seinem Gewissen leben, falls er es der Verteidigung erlaubt, für ihn zu lügen", sagte er der Zeitung "Beeld" (Samstag).

Die Staatsanwaltschaft beschuldigt den beinamputierten Profi-Läufer, seine Freundin vorsätzlich durch die geschlossene Badezimmertür erschossen zu haben. Pistorius sagt, er habe sie aus Versehen erschossen, weil er geglaubt habe, im Badezimmer sei ein Einbrecher. Steenkamp, ein Model und Reality-TV-Star, starb in den frühen Morgenstunden des 14. Februar.

"Dann muss er leiden"

"Wenn er die Wahrheit sagt, dann kann ich ihm vielleicht eines Tages vergeben", fügte Barry Steenkamp hinzu. "Aber wenn es nicht so war, wie er sagt, dann muss er leiden, und er wird leiden." Reevas Mutter June Steenkamp erklärte, sie habe keine Tränen mehr und sie wolle nun damit beginnen, sich an ein Leben ohne ihre Tochter zu gewöhnen.

Pistorius' Onkel Arnold hatte kurz nach der Kautions-Entscheidung betont, wie erleichtert die ganze Familie sei. "Dennoch ist dies eine sehr traurige Zeit für Reevas Familie und für uns", sagte er. "Wir sind überzeugt, dass sich Oscars Version davon, was in jener schrecklichen Nacht geschehen ist, als wahr erweisen wird."

Fans erklären sich solidarisch

Unterdessen schickten Tausende Fans Nachrichten an die offizielle Webseite des Sportlers, um ihre Solidarität zu zeigen. "Ganz egal, was die Welt sagt, du bist und bleibst mein Champion und mein Held", schrieb eine Verehrerin. Nach der Nachricht von der Freilassung auf Kaution hatte es auch kritische Stimmen gegeben, die eine Vorzugsbehandlung des berühmten weißen Stars sahen.

Am 4. Juni um 8.30 Uhr muss der Leichtathlet erneut vor Gericht erscheinen. Wird Pistorius wegen vorsätzlichen Mordes schuldig gesprochen, droht ihm eine Haftstrafe zwischen 15 Jahren und lebenslänglich. Der Sportler hat bei Paralympischen Spielen insgesamt sechs Goldmedaillen gewonnen. (APA, 23.2.2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Oscar Pistorius mit seiner Schwester Aimee, nachdem er in Pretoria auf Kaution freigelassen worden war.

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