Russland hilft Kotanyi über flaues Ostgeschäft

22. Februar 2013, 17:53
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Diskonter und Eigenmarken setzen Erwin Kotanyi zu. Aus der Türkei zog er sich zurück. Russland hingegen bleibt ein Umsatzmotor

Wien – Erwin Kotanyi ist kein Freund fertiger Gerichte. Sein Betrieb brauche die kochende Bevölkerung und würde ohne das Convenience-Essen weit stärker zulegen. Zum Glück aber werde auch dieses noch kräftig nachgewürzt.

Der Gewürzhersteller aus Niederösterreich hat mit seinen 540 Mitarbeitern im Vorjahr 138 Millionen Euro umgesetzt, etwas weniger als geplant. Gewachsen ist er vor allem in Russland. Länder wie Ungarn und Tschechien hingegen ließen aus. Auch Polen bleibt ein Sorgenkind. Aus der Türkei zog er seine Gesellschaft aufgrund zu geringer Umsätze jüngst zurück: Kotanyi war dort in 3000 Filialen vertreten, nun arbeitet man mit kleineren Distributoren zusammen.

In Osteuropa würden Diskonter und Eigenmarken zunehmend beliebt, was ihm Kunden entziehe, sagt Kotanyi, der den Familienbetrieb in vierter Generation führt. 70 Prozent des Geschäfts macht er im Export. Bereut habe er den frühen Schritt in den Osten nie, auch wenn die vergangenen Jahre aufgrund kriselnder Konjunktur und schwankender Währungen nicht das erhoffte Wachstum brachten. "Es war riskant, aber notwendig."

Kotanyi vertraut weiterhin stark auf Russland, das bereits für rund ein Fünftel des Umsatzes sorgt. Er ist dort mit 100 Mitarbeitern führender Anbieter von Gewürzmarken – wie auch in Österreich und anderen Ostländern – und quer durch den Einzelhandel vertreten.

"Vernünftige Erträge"

Die Bilanz 2011/2012 weist für die Kotanyi GmBh Verluste in der Höhe von drei Millionen und Verbindlichkeiten von fast 54 Millionen Euro auf. Diese sei nicht aussagekräftig, weil sie einen hohen Anteil an internen Verrechnungsumsätzen beinhalte, sagt Kotanyi. "In der Konzernbilanz gibt es sehr wohl vernünftige Erträge" – ansonsten hätte er es nicht geschafft, den Anteil der Salinen am Betrieb vor drei Jahren zurückzukaufen. Übernahmen von Gewürzmarken im Osten schließt er nicht aus – derzeit sei jedoch keine geplant.

Kotanyi bezieht seine Gewürze von Madagaskar bis Vietnam aus aller Welt. Um sie in Fernost und Übersee direkt einzukaufen, dafür sei man aber zu klein. Zwischenhändler bringen sie über Hamburg und Rotterdam nach Europa. Vietnam ist Hauptexporteur für Pfeffer, China produziert den meisten Knoblauch, Grenada hat das Muskat-Geschäft fest in der Hand.

Indische Pfefferbörse

Liebling der Spekulanten ist vor allem Pfeffer. Er habe eine enorme Preisexplosion hinter sich, die sich nicht allein aus gestiegener Nachfrage erklären lasse, sagt Kotanyi. Bauern erzeugten durch Lagerhaltung bewusst Knappheit, an der Börse in Indien stürzten sich finanzstarke Konzerne darauf.

Auf Grenada habe ein Wirbelsturm vor sieben Jahren den Muskatmarkt ausgehoben. Erholt habe sich dieser bis heute nicht. "Muskat ist ein Horrorthema." In den vergangenen Jahren hat Kotanyi in der Folge die Preise erhöht. Heuer will er davon jedoch absehen.

Überdrüssig werde er der Gewürze auch nach 30 Jahren im Geschäft nicht, sagt Kotanyi. Es gebe immer wieder was zu lernen, "mit Nägeln oder Schrauben würde ich mich nicht wohlfühlen". (Verena Kainrath, DER STANDARD; 23.2.2013)

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    Der niederösterreichische Gewürzhersteller über riskante Exporte, die Tücken des Muskats und gepfefferte Spekulationen

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