Unternehmer wollen Mariahilfer Straße lassen, wie sie ist

21. Februar 2013, 12:27
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Wirtschaftskammer schickte Befragung an 9.000 Betriebe in Mariahilf und Neubau, aber nur 13 Prozent nahmen daran teil

Wien - Rund zwei Drittel der Unternehmen in den Wiener Bezirken Mariahilf und Neubau sind gegen die geplanten Änderungen auf Österreichs größter Shoppingmeile, der Mariahilfer Straße. Das hat eine Umfrage der Wirtschaftskammer ergeben, deren Ergebnis Kammerpräsidentin Brigitte Jank am Donnerstag präsentierte.

Allerdings nahmen nur 13 Prozent der insgesamt 9.000 Betriebe an der Befragung teil. Von den Befragten stimmten aber 81 Prozent für die Beibehaltung aller Querungen. Bei fehlenden Kreuzungen befürchtet man ein signifikant stärkeres Verkehrsaufkommen in den Bezirken.

Stadt und Bezirke wollen eine Verkehrsberuhigung der Mariahilfer Straße, ein Teil wird zur Fußgängerzone. Eine Befragung der Anrainer ist im Moment im Gange. Gerungen wird nun um die Details - also etwa um Querungsmöglichkeiten, Lieferzeiten und Ladezonen oder die Zufahrt für Reisebusse und Taxis: "Die Diskussion ist noch nicht abgeschlossen", so Jank.

Negative Befürchtungen

Bei den Wirtschaftstreibenden in Neubau und Mariahilf, die durch die Mariahilfer Straße getrennt werden, herrscht offensichtlich Unbehagen: "Jeden Tag melden sich besorgte und verunsicherte Unternehmer bei uns, die negative Folgen für ihr Geschäft befürchten", so Jank. Das Umfrageergebnis zeige, dass es sich dabei um keine Einzelmeinungen handle.

Insgesamt ersuchte die Kammer 9.000 Unternehmen um ihre Meinung zu den städtischen Plänen, die Rücklaufquote betrug 13 Prozent. Konkret lehnen 67,5 Prozent der Befragten die vorgeschlagene Verkehrslösung mit Fahrverbot und autofreier Zone ab. 78,7 Prozent sind der Meinung, dass diese für ihre Geschäftstätigkeit nicht förderlich ist.

Nach Sparten betrachtet rechnen 86 Prozent der Handelstreibenden mit keiner Verbesserung der wirtschaftlichen Situation durch die Neugestaltung. In den Bereichen Verkehr und Transport sind es 94 Prozent. Weiters stimmten 81 Prozent der Befragten für die Beibehaltung aller Querungen. Am meisten Befürworter (86,8 Prozent) gab es dabei für die Querung Schottenfeldgasse/Webgasse.

Mehr Lieferverkehr, Taxis, Busse

Angesichts der Ergebnisse forderte Jank, dass Stadt und Bezirke rasch ein Gesamtverkehrskonzept erarbeiten, das die Anliegen der Wirtschaftstreibenden berücksichtigt. Zum Beispiel müsse der Lieferverkehr ganztägig möglich sein. Seitens der Wirtschaft werden man sich "niemals mit einer anderen Lösung zufriedengeben können", kündigte sie heute an. Einer Strukturerhebung zufolge finden nämlich 55 Prozent der Lieferungen erst nach 10.30 Uhr statt, in vielen Fällen würden mehrmals am Tag Zustellungen erfolgen.

Auch eine ganztägige Zufahrt für Taxis und Reisebusse müsse gestattet sein. Jank wies auch darauf hin, dass den Garagenbetreibern in der Mariahilfer Straße und in den Seitengassen die wirtschaftliche Basis entzogen würde, falls nur mehr Anrainer in die Mariahilfer Straße zufahren dürfen.

Als problematisch stufte Jank auch die Aufhebung der bestehenden Querungsmöglichkeiten ein - nicht nur für die Wirtschaftstreibenden, sondern auch für die Anrainer. Ohne Verbindungsmöglichkeiten zwischen den Bezirken käme es zu einem massiven Ausweichverkehr, was zusätzliche Zeit, Kilometer, Kosten und Umweltbelastung bedeute.

Anrainer werden gesondert befragt

Fehlende Quermöglichkeiten würden zum Beispiel der Siebensterngasse 1.900 und der Neustiftgasse 3.800 zusätzliche Fahrten pro Tag bescheren. Abgesehen davon wäre Wien außerdem die erste Metropole, die im Zentrum eine zwei Kilometer lange autofreie Schneise ziehe und wesentliche Teile der Stadt verkehrstechnisch trenne.

Während die Wirtschaftskammer die Meinung der Unternehmer zu den Plänen erfragte, tun dies die Bezirke bei den Anrainern der Straßenzüge Webgasse/Schottenfeldgasse und Otto-Bauer-Gasse/Zieglergasse. Sie können darüber entscheiden, ob dort künftig der Durchzugsverkehr noch möglich sein soll oder nicht. Denn die beiden Kreuzungen liegen eigentlich in jenem "Mahü"-Abschnitt, der bald für den Autoverkehr gesperrt sein wird. Die Stimmen werden am Mittwoch ausgezählt, dann wird auch das Ergebnis bekannt gegeben. (APA, 21.2.2013)

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    Mariahilfer Straße: Die Wirtschaftskammer sträubt sich ein wenig gegen Verkehrsberuhigung.

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