Oscar-Vorab-Prognosen: Die Buchmacher haben eine deutliche Meinung

21. Februar 2013, 01:58
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Die Entscheidungen in den Drehbuch-Kategorien gelten als die Spannendsten

Los Angeles -  Am Dienstag war nach zwölf Tagen für die 5.856 Academy-Mitglieder Einsendeschluss für ihre Stimmzettel zur Vergabe der 85. Oscars am Sonntagabend. Offiziell ist alles geheim - nur Mitarbeiter von PricewaterhouseCoopers werden auszählen und dann verschlossene Umschläge zur Gala bringen, - inoffiziell werden natürlich "Exit Polls" erhoben. Nach den Wahlen der Branchenverbände der Academy-Mitglieder (SAG, DGA, WGA, etc.) ist klar, dass das Ergebnis anders aussehen wird als die Nominierungs-Statistik, nach der Steven Spielbergs "Lincoln" und Ang Lees "Life of Pi" mit zwölf bzw. elf Nennungen in Front lagen. Nun, wie sehr wird jetzt Ben Afflecks "Argo" triumphieren?

Zwei Quellen listen unabhängig voneinander jedenfalls sehr eindeutige Favoriten auf, bei gut drei Vierteln der einzelnen Disziplinen gelten die Gewinner praktisch als fix. Als - um beim US-Wahlkampfjargon zu bleiben - "too close to call" gelten vor allem die beiden Drehbuchkategorien, der Animations-Oscar und die Beste Nebenrolle (Tommy Lee Jones oder Christoph Waltz? Oder doch Robert De Niro?).

Die eine Quelle ist IndieWire, ein  branchennahes, über Flüsterkampagnen informiertes Online-Journal, dabei geschmacklich New York und Akademikern zugeneigt. In ihren "Final Oscar Predictions In Each and Every Category" vom Mittwoch argumentiert die IndieWire-Redaktion jeweils. So heißt es bei der Kategorie Bester Film in Kurzzusammenfassung: "Will win: 'Argo'; Could win: 'Lincoln' or 'Life of Pi' (but not really); Should win: 'Zero Dark Thirty." Und bei der Besten Regie: "Will win: Steven Spielberg; Could win: Ang Lee; Should win: Michael Haneke" - natürlich ohne zu verschweigen, dass den Mitgliedern des Regie-Verbands bei den Nominierungen der Lapsus unterlaufen ist, weder Ben Affleck noch Kathryn Bigelow zu listen. Nachgereichter Erklärungsversuch: Zu viele hätten angenommen, dass die jeweils Anderen die Beiden ja ohnedies wählen werden.

Mut zum dosierten Risiko? Wetten Sie auf Emanuelle Riva!

Um einiges nüchterner ist die zweite Quelle: Das altgediente wie internationale vernetzte Londoner Wettbüro Ladbrokes nimmt nicht nur alljährlich auf die Literatur-Nobelpreise Wetten auf - wo bisweilen auffällige Treffer und Kursbewegungen den Verdacht auf durchgesickerte Info nähren -, sondern auch auf die Oscar-Vergabe. Und auf deren Webseite sind Vermutungen in kalte Zahlen gegossen - ein "Sollte gewinnen" ist für Buchmacher wie für Börsenmakler keine Kategorie. 

Bei der Besten Nebendarstellerin etwa würde man (Stand: Mittwochabend) bei einer Wette auf Anne Hathaway ("Les Miserables") bei 100 Euro Einsatz gerade mal 1 Euro Gewinn machen (Quote: 1,01), bei einer auf den nachgereihten Helen Hunt ("The Sessions") oder Sally Field ("Lincoln") jeweils 3.300 Euro Gewinn. Geht's noch deutlicher? Ähnlich beim Besten Hauptdarsteller: Daniel Day Lewis ("Lincoln") führt mit Quote 1,02 haushoch vor Hugh Jackman ("Les Miserables") mit Quote 17,00. Oder beim Fremdsprachen-Oscar: Michael Hanekes "Amour" ist da die Bank (1,05), weit vor der dänischen "Königlichen Affäre" (15,00).

Gut, auch Buchmacher können irren: Ist es wirklich so sicher, dass in der Kategorie der Besten Hauptdarstellerin die vom Schauspielverband favorisierte Jennifer Lawrence ("Silver Linings Playbook"; 1,57) gewählt wird? Oder obsiegt doch der hohe Altersschnitt und die wertkonservative Grundhaltung der Wählenden - und Emmanuel Riva ("Amour"; 4,00) wird prämiert. Oder - eher aus Produzentensicht - die konsequente Disziplin von Jessica Chastain ("Zero Dark Thirty"; 5,00)?

Bei beiden Quellen wenig gezweifelt wird an "Argo" als Bestem Film, Steven Spielberg als Bestem Regisseur und "Life of Pi" in technischen Kategorien wie Kamera und Visuelle Effekte, mit "Skyfall" als "Dark Horse" und Song-Favorit. Für jene, die in kindlicher Freude auf die "And the Winner is ..."-Situationen warten:  Österreichische Hurra-Patrioten werden wohl sicher (mindestens) eine Gelegenheit zum Jubeln finden; und wenn die Oscars 2013 als diejenigen in Erinnerung bleiben werden, bei denen die mit größter Spannung erwarteten die vorgeblichen Nerd-Kategorien der Autoren waren, ist das mal was Ungewöhnliches. (hcl, derStandard.at, 21.2.2013)

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    Noch stehen sie penibel verhüllt da, die Oscar-Deko-Statuen in einem Zelt nahe dem Dolby Theatre in Hollywood; sie müssen ja schließlich glänzen am Sonntagabend.

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    Mark Boal, hier mit "Zero Dark Thirty"-Regisseurin Kathry Bigelow, galt lange als der unangefochtene Favorit in der Kategorie des Original-Drehbuchs, doch dann kamen unerquickliche US-innenpolitische An- Und Vorwürfe dazwischen. Wird davon Good Old Quentin T. Profitieren? Oder Michael H.?

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    Werden sich die Prognosen erfüllen und der bislang nicht eben prominente "Argo"-Drehbuchautor Chris Terrio sich gegen den Branchenstar Tony Kushner ("Lincoln") in der Adapted-Screenplay-Kategorie durchsetzen?

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