Cavaliere zum Saufüttern

20. Februar 2013, 18:55
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Ehe den Dolomiten nach Süden hin ein bisschen die Berge ausgehen, protzen sie über Predazzo derart mit Kalkpilastern, dass dem Lapisphilen nur so das Herz aufgeht. Da erhebt sich der Latemar ebenso kühn wie rechts daneben, leicht nach hinten versetzt, die Sella und die Marmolata. Und links hinten grüßt auch noch König Laurins Rosengarten.

Viel Gegend jedenfalls, sehr schön sicher, aber herunten im Val di Fiemme, in Predazzo also, und am Lago di Tesero, mehr aber noch im größeren Cavalese, alles ein bisschen schmucklos. Man denkt nach, was fehlt, sieht die Plakate, die vom hier bald tobenden sportlichen Wettkampf der Nordischen künden, und ist plötzlich im Bilde. Da wird am Sonntag gewählt, aber niemand, kein einziger Kandidat, ist affichiert, obwohl man doch Laufkilometer die Meinung bildender Plakate erwarten darf als Österreicher, der schon oft orientierungslos vor der Wahl gestanden ist.

Dreiecksständer, geschickt an gefährlichen Kreuzungen platziert? Fehlanzeige! Panoramawände, die die Sicht auf ohnehin überschätzte Kulturgüter verstellen? Null! Also auch keine lustigen Sprüche ("Kein Albino im Trentino"). Gehört nicht zur politischen Kultur, lässt man sich belehren. Die wissen, was sie wählen. Und wenn dir etwas fehlt, dreh den Fernseher auf. Und tatsächlich, endlich: Cavaliere zum Saufüttern! (Sigi Lützow, DER STANDARD, 21.2.2013)

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