Ein Pragmatiker ohne Starallüren rückt auf

18. Februar 2013, 22:01
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Stephan Weil (SPD) wird Regierungschef in Niedersachsen

Gänzlich unbekannt ist Stephan Weil sein Weg zum neuen Arbeitsplatz nicht. Bisher regierte  der Sozialdemokrat als Oberbürgermeister vom Rathaus in Hannover aus. Die Staatskanzlei, in die er heute, Dienstag, als neuer Ministerpräsident von Niedersachsen einziehen wird, liegt nur ein paar Ecken weiter.

Sein Team hat jedoch seit der Wahl am 20. Jänner eine neue Seite an ihm entdeckt. Als Weil nach der Landtagswahl erfuhr, dass Rot-Grün doch ganz knapp vor Schwarz-Gelb liegt, da wollte er gar nicht mehr aufhören zu lachen vor lauter Erleichterung.

So entspannt und locker kennen die wenigsten den 54-Jährigen. Weil ist ein ruhiger, manchmal auch spröder Pragmatiker, ein Mann der leisen Töne. Überhaupt konnten zu Beginn des Wahlkampfes die wenigsten mit seinem Namen etwas anfangen. Weil war zwar in Hannover bekannt, weil er dort Oberbürgermeister war, aber auf dem platten Land, von dem es in Niedersachsen sehr viel gibt, fragten sich viele: Stephan wer?

Der gebürtige Hamburger, der als Siebenjähriger mit seinen Eltern nach Hannover kommt, arbeitet sich zäh nach oben. Nach dem Jusstudium ist er als Anwalt, Richter und Staatsanwalt tätig, 1994 wird er Ministerialrat im niedersächsischen Justizministerium. Von 1997 bis 2006 ist er als Stadtkämmerer für die Finanzen von Hannover zuständig, seit dem Jahr 2006 als Oberbürgermeister für das große Ganze in der Landeshauptstadt.

Dass Weil noch einen weiteren Karriereschritt plant, wissen in dieser Zeit auch viele Genossen nicht. Im Herbst 2011 gilt es als ausgemacht, dass SPD-Landesvorsitzender Olaf Lies als Spitzenkandidat in die Landtagswahl ziehen wird. Doch als  dieser erklärt, er sei  für die Kandidatur bereit, zieht Weil zwei Tage später überraschend nach und setzt seine Kandidatur in ei ner Kampfabstimmung durch.

Sollte in Niedersachsen jemand die Hoffnung haben, dass mit Weil Glamour in die Staatskanzlei einzieht, wird er wohl enttäuscht werden. Die Kreise, in denen früher das damals noch so elegante Ehepaar Wulff verkehrte, sind ihm fremd. In seiner Freizeit geht Weil mit seiner Frau und dem erwachsenen Sohn wandern, er joggt auch gerne.

Regelmäßig sieht man ihn bei Fußballspielen des Erstligisten Hannover 96. Partys mit Prominenten mag er nicht so gerne, lieber genießt Weil in den Hannoveraner Kneipen Matjes und Bratkartoffeln. (Birgit Baumann /DER STANDARD, 19.2.2013)

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