Betrug: Der Tunfisch, der eine Makrele war

18. Februar 2013, 20:47
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Als Rindfleisch verkauftes Pferdefleisch erregt derzeit die EU. Weit häufiger als bei Fleisch wird aber bei Fisch betrogen: Bei manchen Arten ist kaum ein Fisch das, als was er verkauft wird. Mitunter werden Tiere gehandelt, die gesundheitsschädlich sein können

Washington/Berlin/Wien – Tausende Gentests sollen EU-weit in den kommenden Tagen klären, wie oft Konsumenten Pferd essen, wenn sie Rindfleisch gekauft haben. Ziemlich sicher ist schon jetzt: Bei Fleisch wird weit weniger betrogen als bei Fisch.

"Das Problem ist sehr real", sagt Gerd Kraus, Direktor des Thünen-Instituts für Seefischerei in Hamburg. Vor allem bei hochpreisigen Fischen wie Seezungen werde gern betrogen. So ist die europäische Seezunge bei Feinschmeckern sehr gefragt – weil sie aber selten ist, wird sie gern gegen ihr afrikanisches Pendant getauscht, dass deutlich billiger im Einkauf ist, weniger Fleisch und einen schlechteren Geschmack hat. Was als Lachs vermarktet wird, ist sehr oft eine Lachsforelle, die mitunter für Laien schwer von einem Lachs zu unterscheiden ist.

Falsches Garnelenfleisch

Betroffen sind sowohl Fischfilets als auch verarbeitete Fischprodukte. In Europa ergaben Tests, dass in manchen Ländern und bei bestimmten Arten mehr als jeder fünfte Fisch falsch deklariert wurde. Bei Plattfisch aus Deutschland wurden bei Studien bei einem Viertel der Proben Fische entdeckt, die nicht den Angaben entsprachen. Bei Garnelenfleisch aus Spanien entdeckten Wissenschafter bei 24 Prozent der Proben einen Betrug.

Besonders drastisch ist die Situation in den USA: Laut Studien wird hier bei jedem dritten Fisch betrogen. Bei Tests in Restaurants in Los Angeles im Dezember 2012 waren sogar mehr als die Hälfte der Fische falsch deklariert, in New York 39 Prozent. Bei weißem Tun waren stolze 94 Prozent der Proben kein Tunfisch, sondern etwa Schlangenmakrele, berichtet die New York Times.

Neben falschen Arten finden Konsumenten auch Fische in ihrem Essen, die aus einem anderen Bestand stammen als angegeben. Als US-Forscher Produkte aus chilenischem Seebarsch untersuchten, der laut Label aus einem nachhaltig befischten Bestand stammte, fanden sie neben fremden Arten 15 Prozent Seebarsche aus gefährdeten Beständen.

Mitunter kann der Betrug auch gefährlich für die Gesundheit sein: So wurden bei der Untersuchung in New York 13 verschiedene Arten als "Roter Schnapper" verkauft – darunter auch eine Barschart, die wegen ihres hohen Quecksilbergehalts von den US-Behörden als für Schwangere und Kleinkinder als ungeeignet gilt.

Im Pferdefleisch-Skandal nahm die Supermarktkette Lidl am Montag in Österreich präventiv eine Fertigbolognese aus den Regalen. Vergangene Woche hatte die Firma Fertigtortelloni zurückgerufen, nachdem in ihnen Pferde-DNA gefunden worden war.

Laut einem Bericht der Presse  wurden indes in Schweden in Rindfleisch für Hamburger aus den Niederlanden Ehec-Bakterien gefunden. Eine holländische Schlachterei soll behördlich geschlossen worden sein. Ehec-Bakterien in Gemüse hatten 2011 europaweit für Aufregung gesorgt. (Tobias Müller, DER STANDARD, 19.2.2013)

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    Bei Plattfisch, etwa der teuren Seezunge, wird in Deutschland besonders gern betrogen und billigere Arten verkauft als angegeben.

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