Kontaktallergie: Gefährliche Wandfarbe

18. Februar 2013, 07:50
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Konservierungsstoffe in Wandfarben können Kontaktallergien auslösen

Einen knallroten, juckenden Ausschlag auf Gesicht, Hals und Händen bekommt eine Frau nach ihrem Umzug. Kortisonspritzen bringen Linderung - ohne jene kommt der Ausschlag wieder. Die Ursache: eine Allergie gegen Isothiazolinone, ein Konservierungsmittel in der Farbe ihrer neu gestrichenen Wohnung.

"Man braucht die Stoffe", sagt Sylvia Hofinger, Geschäftsführerin vom Fachverband der Chemischen Industrie Österreichs, "denn ohne diese würden wasserhaltige Farben von Bakterien oder Pilzen befallen und verderben." Lange Jahre verwendeten die Hersteller eine Mischung aus Methylchloroisothiazolinon (MCI) und Methylisothiazolinon (MI). "Neun Prozent der Patienten reagierten auf MCI/MI - das war viel", sagt Johannes Geier vom IVDK. Dieser Verbund aus 56 Hautkliniken sammelt Daten zu Kontaktallergien. Man informierte die Behörden, und kurze Zeit später setzte die EU einen Höchstwert von 15 mg/kg für MCI/MI fest. "Wir waren einigermaßen zufrieden - dann reagierten ,nur noch' zwei Prozent der Patienten", sagt Geier.

Kettenreaktion

Jüngst wurden es aber wieder mehr, zuletzt fast vier Prozent. Geier sah, woran es lag: Bei den Patienten testeten die IVDK-Ärzte auch, ob sie gegen MI allein allergisch sind. "Die Hersteller verwenden seit einiger Zeit nur noch MI, weil MCI als ,der böse Allergieauslöser' und MI als unproblematisch galt", sagt Werner Aberer, Dermatologe an der Med-Uni Graz. "Wir wissen nun, dass auch MI ein stark allergener Stoff ist. Weil Firmen vom MCI/MI-Gemisch auf das nicht regulierte MI umstiegen, reagieren immer mehr Leute empfindlich", so Aberer.

Es gibt nämlich für MI in Farben keine gesetzlich festgelegte Höchstgrenze. Wenn man das Umweltzeichen will, darf man nur eine bestimmte Menge einsetzen. MI wird oft mit anderen Konservierungsstoffen eingesetzt, etwa Benzisothiazolin (Grenzwert 200 mg/k) "Die meisten verwenden weniger als 90 mg/kg", versichert Hofinger. Das könne aber zu viel sein, vermutet Aberer, "es müssten niedrigere Grenzwerte festgelegt werden."

Ein Hauttest bei der jungen Frau hat die Allergie bewiesen. Ihre Wände könnte sie mit Bisulfit streichen. Das zerstört MI-Moleküle. Doch manche reagieren weiter allergisch, Bisulfit selbst kann auch Kontaktallergien auslösen. MI verdunstet mit der Zeit, Lüften hilft. Die beste Lösung für Allergiker: Farben ohne Konservierungsmittel, sie sind ähnlich steril hergestellt wie Lebensmittel. (fewi)

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