Dinosaurier-Regisseur engagiert abhebende Mimin

15. Februar 2013, 19:20
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Uraufführung von Lukas Linders Stück "Ich war nie da"

Wien - Menschen, die Fandra Fatale oder Jorgos Brontosaurus heißen, gehören auf die Bühne. Sie ist Schauspielerin mit anstrengendem Familienanschluss (Mutter!) und er ein Regisseur, der der eigenen Genialität in großen Gesten auf der Fährte ist. Theater im Theater mit jugendlichem Temperament: Lukas Linders Stück Ich war nie da im Schauspielhaus.

Bei dieser Uraufführungsinszenierung von Lilja Rupprecht - zugleich ihre Abschlussarbeit an der Ernst Busch Schule Berlin - donnert das Theater so richtig laut los: Vorhang auf, Vorhang zu, Musik laut, mittel, leise; Billigsdorferpuppen dienen als Staffage, überzeichnete Dialoge forcieren die Hektik, hysterische und neidvolle "Statisten" (Johanna Elisabeth Rehm, Sebastian Zeleny) streifen durch das Bild. Es behält hier alles seinen Schwung.

Das Stück des 1984 in der Nähe von Zürich geborenen Lukas Linder entstand im Rahmen des Autorenprojekts "stück/für/ stück" und erzählt von alldem, was junge Theaterköpfe insbesondere zum Rauchen bringt: das Theatermachen selbst. Viele Meter blutroten Theatervorhangs werden im Schauspielhaus aufgewendet, um mit Symbolkraft die Flagge der eigenen Zunft zu zeigen (Bühne: Korbinian Schmidt).

Problem Kuss-Szene

Mehrere Probleme führen die hier handelnden Personen zusammen. Der Regisseur (schön manieriert aufgedreht: Gabriel von Berlepsch) sucht nach der richtigen Form, eine mit einer Ohrfeige in Verbindung stehende Kuss-Szene glaubhaft zu inszenieren. Eine junge Frau (schön ruhig und geheimnisvoll: Veronika Glatzner), frischer Single und von ihrer Mutter (Susi Stach mindestens als Königin der Nacht) grob tyrannisiert, spielt die weibliche Hauptrolle.

Diese Grundkonstellation dreht sich in hohem Tempo weiter: Rupprecht reizt mit Slapstick das Spielfeld Theater aus (demonstrative Kostümwechsel, Billig-Requisiten, mechanische Emotionen usw.). Mit der Probenarbeit an der immer gleichen Kuss-Szene entfalten aber auch die zentralen Figuren (Fandra Fatale und Jorgos Brontosaurus) ihre eigene Tragik: Droht sie, gepeinigt von Mutter und Kollege (Gideon Moaz) und auch vom egomanischen Psychodoktor, allmählich den Boden unter den Füßen zu verlieren, muss der Regisseur erkennen, dass ein dahergelaufener " vornehmer Sepp" die besseren Ideen hat.

Das alles ist ein wenig banal, aber auch mehr als das: eine lustige Freakshow.   (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 16./17.2.2013) 

Bis 30. 3.

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