Eurozone rutschte tiefer in die Rezession

14. Februar 2013, 18:41
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Im Sog eines schwächelnden Deutschland ist die Wirtschaft der Eurozone Ende 2012 so stark geschrumpft wie seit knapp vier Jahren nicht mehr

Luxemburg/Wien - Der Euroraum ist im vierten Quartal 2012 stärker in die Rezession abgerutscht als erwartet. Die Wirtschaftsleistung der Eurozone ging so stark zurück wie seit nahezu vier Jahren nicht mehr, während die drei größten Volkswirtschaften der Region schrumpften. Das geht aus Daten hervor, die von der EU-Statistikbehörde Eurostat am Donnerstag in Luxemburg vorgelegt wurden.

Demnach fiel das Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen Oktober und Dezember 2012 um 0,6 Prozent zum Vorquartal. Das war der kräftigste BIP-Rückgang seit dem ersten Jahresviertel 2009, als die Wirtschaftsaktivität infolge der Pleite von Lehman Brothers einbrach.

BIP-Rückgang

Mit dem beobachteten BIP-Rückgang fiel die Kontraktion stärker als erwartet aus. Von Bloomberg News befragte Ökonomen hatten mit einer BIP-Schrumpfung um 0,4 Prozent gerechnet. Im Vergleich zum Vorjahresquartal ging das BIP um 0,9 Prozent zurück. Im Gesamtjahr 2012 schrumpfte die Wirtschaft des Euroraums um 0,5 Prozent.

Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, sagte in der Vorwoche, dass sich das Vertrauen in den 17 Staaten des Euroraums stabilisiere. Die EZB rechnet im Jahresverlauf mit einer schrittweisen Konjunkturerholung. Diese Einschätzung vertreten auch Ökonomen.

"Wir gehen davon aus, dass das Schlimmste hinter uns liegt", sagte Frederik Ducrozet, Volkswirt von Crédit Agricole. "Wir dürften im ersten Quartal eine leichte Schrumpfung, im zweiten eine gewisse Stabilisierung und in der zweiten Jahreshälfte eine stärkere Erholung sehen."

Verbrauchervertrauen

Vor den Daten aus dem Euroraum haben eine Reihe von einzelnen Staaten ihre Wachstumszahlen vorgelegt. Die deutsche Wirtschaft schrumpfte im vierten Quartal um 0,6 Prozent zum Vorquartal, während Frankreichs und Italiens BIP im Quartalsvergleich um 0,3 Prozent beziehungsweise 0,9 Prozent fielen. Damit ging die Wirtschaftsleistung in den drei größten Volkswirtschaften stärker zurück als erwartet. In Österreich ist die Wirtschaft im Berichtsquartal um 0,2 Prozent geschrumpft.

Auch das Vertrauen der Österreicher in ihre wirtschaftliche Lage hat sich im vierten Quartal 2012 eingetrübt. Das geht aus einer am Donnerstag veröffentlichten Nielsen-Umfrage hervor. Demnach sehen nur mehr 41 Prozent ihre Jobperspektive als "gut" oder "exzellent". Fast die Hälfte (48 Prozent) schätzt die eigene finanzielle Situation negativ ein.

Insgesamt ist der österreichische Verbrauchervertrauensindex von Nielsen im vierten Quartal 2012 im Vergleich zum Vorquartal um sieben Punkte von 93 auf 86 gefallen. 17 Prozent haben nach Abzug der Lebenshaltungskosten kein Geld mehr zum Shoppen. Weniger für Lebensmittel, Strom und Gas auszugeben war im vierten Quartal die meistgenannte Sparmaßnahme. (APA/red, DER STANDARD, 15.2.2013)

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    Nicht nur in Griechenland (im Bild ein Arbeitsamt in Athen) ist die Wirtschaft im Schockzustand, auch in anderen Ländern der Eurozone hat sich die Rezession zuletzt vertieft.

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