Zum Ende hin dann Wucht, Größe, Biss

14. Februar 2013, 18:52
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Franz Welser-Möst und die Wiener Philharmoniker

Wien - In der "Demokratie der Könige", bei den Wiener Philharmonikern also, wird darauf geachtet, dass sich die engagierten Orchesterleiter den Dirigentenstab in schnellem Wechsel in die Hand geben. Traditionell nimmt der Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper eine etwas gewichtigere Stellung im Dirigentenkarussell ein, und so überrascht es nicht, dass Franz Welser-Möst nach dem Neujahrskonzert nun für die Dauer von elf Konzerten (in Österreich, weiterfolgend in Deutschland und Nordamerika) eine kleine Teilzeitregentschaft über die selbstbestimmten Monarchen und Monarchinnen ausüben darf.

Im ersten Teil des ersten Konzertprogramms, Mittwochabend im Musikverein präsentiert, waren es jedoch weder Orchester noch Dirigent, die Maßstäbe setzten, sondern der Solist. Frank Peter Zimmermann interpretierte Alban Bergs spätes Violinkonzert mit einer Mischung aus Konzentration und Leichtigkeit, die beeindruckte: mal mit süffigem Ton, mal mit musikantischer Verve das Orchester mitreißend oder mit ihm dialogisierend, mal tänzelnd wie eine kapriziöse Ballettdiva.

Enttäuschend dann die ersten zwei Sätze von Bruckners Vierter: von begrenzter Zartheit der Morgendämmerungsbeginn, dann gleich darauf das erste Hauptthema in einer Kraftlackel-Gangart daherkommend. Überhaupt wurde bei den Höhepunkten eher Lautstärke produziert denn Erhabenheit und Größe. Enttäuschend auch, wenn sich Welser-Möst intensiv um die Gestaltung etwa eines Themas der Bratschen im zweiten Satz kümmert, das Resultat dann aber keine Besonderheit irgendeiner Art aufweist.

Der dritte Satz, endlich, liegt dem Oberösterreicher: straff-ausgeputzt-leise der Beginn, furios die Volte zum knackig-kompakten Ges-Dur-Signal. Wucht, Größe, Biss dann zum Beginn des vierten Satzes, bei den Seitenthemen taute die Chose dann vollends auf: Endlich wurde freien Herzens Musik gemacht. Warum nicht gleich. (end, DER STANDARD, 15.2.2013)

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