Teamchef Viveiros hat den Weg gewiesen

11. Februar 2013, 18:41
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Erfolge im Eishockey haben viele Väter. In der Quali für Sotschi 2014 ragten Routiniers und ein junger Goalie heraus

Wien – Auch der deutsche Verteidiger Constantin Braun könnte ein österreichischer Erfolgsvater gewesen sein. "Weil es Österreich ist", hatte er auf die TV-Reporterfrage, warum Deutschland zu den Olympischen Winterspielen fahren werde, geantwortet. Das Interview, in dem Braun mit seiner Geringschätzung nicht hinter dem Berg hielt, hatten sich die Österreicher vor dem Quali-"Finale" hineingezogen, dann schafften sie ein 2:2 nach drei Dritteln, und Andre Lakos sagte: "Solche Aussagen hat er vielleicht zum letzten Mal getätigt."

Verteidiger Lakos (33) ist unter Teamchef Manny Viveiros sehr entscheidend ins Nationalteam zurückgekehrt. Vier Jahre lang hatte er ausgesetzt, am Sonntag hielt er Österreich mit dem Treffer zum 1:1 im Spiel. Das zweite Comeback ist noch bemerkenswerter. Markus Peintner (32) war zwar nicht so lange weg vom Fenster wie Lakos, dafür aber fast endgültig. Vor einem guten Jahr stand Peintner noch ohne Verein da und fast vor dem Ende der Karriere. Dann holte ihn der VSV, zuletzt machte der Stürmer mit starken Leistungen auch Viveiros aufmerksam. Peintner wurde nachnominiert, bedankte sich gegen Deutschland mit dem 2:2, das letztlich die Qualifikation für So-tschi bedeutete.

"Da sieht man wieder, wie schnell es im Sport gehen kann", sagte Peintner der APA. "Auch deswegen kann ich es ganz anders einschätzen und genießen. Es war meine letzte Chance, zu Olympia zu fahren." Peintner hob vor allem die Leistung von Goalie Bernhard Starkbaum hervor, dieser habe "die Partie gerettet". Mit Starkbaum, der erst 26 Jahre alt ist und bei Modo in Örnsköldsvik in der schwedischen "Elitserien" spielt, verfügt Österreich über einen Tormann, der auf Dauer jenen starken Rückhalt geben könnte, den man in jüngerer Vergangenheit manchmal vermisste.

Viveiros hat nach der B-WM im Vorjahr die zweite Aufgabe mit Bravour gemeistert. Er hat einige Talente ins Team geholt, hat Routiniers ihre Führungsaufgaben klargemacht. Neben Lakos haben Gerhard Unterluggauer, Matthias Trattnig und Robert Lukas schon olympische Erfahrung (Salt Lake City 2002), nun hängt wohl selbst Unterluggauer (36) noch eine Saison an. In Sotschi, wo die Gruppengegner Kanada, Finnland und Norwegen heißen, dürften wohl auch die Nordamerika-Legionäre (Vanek, Grabner, Nödl, Pöck) zum Team stoßen. Es ist davon auszugehen, dass die NHL zur Olympiazeit pausiert.

Laut Verbandskapitän Giuseppe Mion ist im Nationalteam "eine tolle Atmosphäre" entstanden. "Dieses Team ist anders", sagt Mion. "Jeder respektiert den anderen, alle arbeiten höchst professionell. Es gibt keine Disziplinlosigkeiten." Selbst nach dem Erfolg in Deutschland gab’s keinerlei Ausritt, man traf sich auf ein, zwei Bier in der Hotellobby. "Es war komplett anders als in den letzten Jahren", sagt Mion.

Ob die Erste Bank Liga mit österreichischer, slowenischer, ungarischer und tschechischer Beteiligung besser ist als die deutsche? "Die Liga ist nicht schlecht", sagt Mion. Dass auch Slowenien nach Sotschi fährt, passt ins Bild. "Aber auf Sicht machen die Deutschen das Richtige, sie produzieren mehr junge Spieler. Dort spielen bei den Klubs drei, vier Legionäre weniger als bei uns. Generell sollten wir uns an Deutschland orientieren." Doch ob das passiert, bleibt dahingestellt. Weil es immer noch Österreich ist. (Fritz Neumann, DER STANDARD - 12.2. 2013)

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    "Ich bin echt stolz auf die Truppe." Der gebürtige Kanadier Emanuel Viveiros (47) kam 1991 nach Österreich, spielte für Villach, Lustenau, den WEV und den KAC. Seine Einbürgerung kam für eine Olympia- Teilnahme ’02 als Spieler zu spät. Nun fährt Viveiros als Teamchef nach Sotschi.

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