Umweltdachverband fordert Stopp der Bauprojekte für Tiroler Isel und Piz Val Gronda

4. Februar 2013, 19:28
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UWD-Geschäftsführer: "Beide Regionen werden zu 99,5 Prozent 'Natura 2000'-Gebiete"

Innsbruck - Der Umweltdachverband (UWD) fordert den Stopp aller Bauprojekte in potenziellen "Natura 2000" Gebieten. Dies erklärte Michael Proschek-Hauptmann, Geschäftsführer des UWD, am Montag im Rahmen einer Pressekonferenz in Innsbruck. Das gelte insbesondere für den geplanten Bau eines Wasserkraftwerkes an der Osttiroler Isel und den Ausbau des Piz Val Gronda bei Ischgl (Bezirk Landeck). Beide Regionen würden zu 99,5 Prozent "Natura 2000"-Gebiete werden, fügte er hinzu.

Zwölf Gebiete in Tirol unterliegen laut UWD der Nominierungspflicht für "Natura 2000". Darunter die Isel und der Piz Val Gronda. "Bei potenziellen 'Natura 2000'-Gebieten besteht eine Rechtspflicht nichts zu unternehmen. Das bedeutet, dass auch keine Bescheide erlassen werden dürfen", sagte Proschek-Hauptmann. "Ich appelliere an das Land Tirol alle weiteren Schritte bei der Isel und dem Piz Val Gronda auszusetzen bis die Verfahren abgeschlossen sind", kommentierte Peter Haßlacher, Vizepräsident des UWD.

Bewilligungen könnten infrage gestellt werden

Auch bereits aufrechte Bewilligungen, wie dem rechtskräftigen Naturschutzbescheid im Fall des Piz Val Gronda, könnten wieder infrage gestellt werden, meinte der Vizepräsident. "Der Naturschutzbescheid des Landes Tirol ist das Papier nicht wert, auf dem er geschrieben ist", kommentierte Haßlacher die Projekte im Piz Val Gronda. "Es sollte kein weiteres Geld in die Bauprojekte in den potenziellen Schutzgebieten gesteckt werden, um weiteren wirtschaftlichen Schaden abzuwenden", fügte er hinzu.

Der Dachverband hatte in Zusammenarbeit mit Experten Listen nicht ausreichend geschützter Arten erstellt und der EU-Kommission vorgelegt, welche die Ergebnisse nach intensiver Prüfung bestätigte. Laut dem UWD ist zu erwarten, dass Österreich etwa 150 neue "Natura 2000"-Schutzgebiete auszuweisen hat. Die EU-Kommission hat bereits kurz vor Weihnachten die Vorstufe zu einem Vertragsverletzungsverfahren gegen Österreich aufgrund unzureichender Umsetzung der "Natura 2000"-Artenschutzrichtlinie eingeleitet. Sollte es zum Verfahren kommen, drohen dem österreichischen Steuerzahler Strafzahlungen von bis zu 60 Millionen Euro pro Jahr. (APA, 4.2.2013)

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