Kritik an Nachwuchs bei weißen Tigern in Niederösterreich

4. Februar 2013, 13:12
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Erste Vierlingsgeburt weißer Bengalen in Österreich - Tierschutzorganisation wirft "Weißem Zoo" im Kameltheater Kernhof Qualzucht vor

Wien/Kernhof - Vier weiße Tiger kamen vergangenen Dezember im Zoo des niederösterreichischen Kameltheater Kernhof zur Welt. Präsentiert wurden die Vierlinge bei einer Pressekonferenz am Mittwoch. "Weltweit gibt es maximal 300 weiße Tiger", sagte dort Zoodirektor Herbert Eder.

Genau daran stößt sich die Tierschutzorganisation Endzoo und wirft dem Tiergarten "Weißer Zoo" Inzucht vor. Die helle Fellfarbe der Tiger, die sich auf einen Gendefekt zurückführen lässt, könne nur dann geplant weitergegeben werden, wenn man die wenigen und meist nah verwandten Exemplare untereinander paart, kritisiert die NGO. 

Anstrengende Geburt

"Die Zucht von weißen Tigern erfolgt grundsätzlich auf Hybrid-, Inzest- und Inzucht. Letztere zwei Zuchtmethoden führen oft zu genetischen Defekten, Missbildungen, organischen Schäden, nicht selten sogar zum frühzeitigen Tod und zu erheblichen Leiden", kritisiert Endzoo-Sprecher Frank Albrecht in einer Aussendung.

Auch schwere Geburten wie nun im Fall des Weibchens "Burani" seien "typische Hinweise für die weltweiten Inzuchtprobleme bei weißen Tigern". Zwölf Stunden lang, von 4.45 bis 16.45 Uhr, dauerte die Geburt der vier bengalischen Tiger. Die Prozedur sei zwar anstrengend aber problemlos gewesen, sagte hingegen Herbert Eder: "Da der Geburtstermin im Voraus feststand, waren wir gut vorbereitet und haben 'Burani' rund um die Uhr videoüberwacht." Bereitstehende Tiermediziner und Pfleger hätten nicht eingreifen müssen.

Forderung eines Zuchtstopps

Laut Endzoo leiden bereits die älteren Tiger in Kernhof an chronischen Augenproblemen - deshalb sei eine frühzeitige Erblindung des Nachwuchses nicht auszuschließen. Weil auch die Gehege mit unter 500 Quadratmetern zu klein seien, fordert die NGO einen Zuchtstopp für die weißen Tiger in Kernhof.

International sei das bereits gängige Praxis. Der amerikanische Zooverband (AZA) habe sein Zuchtverbot für weiße Tiger von 2008 im Juli 2011 nochmals konkretisiert. Auch die Koordinatoren des "Species Survival Plan" (SSP) sprechen sich aufgrund der massiven genetischen Probleme bei weißen Tigern gegen eine Fortsetzung der Zucht aus.

Anfragen aus aller Welt

Im Kameltheater Kernhof versteht man diese Forderungen nicht. Dass der Vater der Vierlinge, "Samir", mit "Burani" schon im November 2011 Drillinge zeugte, "ist für uns ein Zeichen, dass die beiden sehr gut harmonieren und sich hier wohl fühlen", so Eder. 

Auch die Jungen seien munter und erkunden instinktiv ihr Gehege. Etwa ein Jahr sollen das Männchen "Mumbai" und die Weibchen "Maja", "Melody" und "Mona Lisa" bei der Mutter bleiben. Danach werden sie wohl abgegeben - die Zucht weißer Tiger gilt als lukratives Geschäft. Kernhof erhalte Anfragen aus der ganzen Welt, so Eder.

Tiger können besichtigt werden

Das Kameltheater jedenfalls freut sich über Besucher. Die Tigerbabys können bis 10. Februar jeden Tag, sowie am 16. und 17. Februar besichtigt werden. Danach sind Besichtigungstermine erst wieder von April bis Anfang November vorgesehen.

Endzoo hingegen rät aus moralischen Gründen von einem Ausflug nach Kernhof ab: "Jeder, der wegen seiner Schaulust für diese Tiger Eintritt bezahlt, trägt zur weiteren Qualzucht und zur massiven Verschwendung finanzieller Mittel bei." (mm, derStandard.at, 4.2.2012)

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    Am 27. Dezember brachte Tigerin "Burani" erstmals in Österreich weiße Tiger-Vierlinge zur Welt.

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