Darmflora: Spiegel der Stoffwechsel- und Herzgesundheit

21. Jänner 2013, 13:30
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Projekt widmet sich der Erforschung der menschlichen Darmflor in Zusammenhang mit Herz- und Stoffwechselerkrankungen

In der Forschung gibt es bislang keine tiefer gehenden Erkenntnisse zur Wechselwirkung zwischen Darmflora (Mikrobiom) und Herz- oder Stoffwechselerkrankung. Es wird aber immer deutlicher, dass die sehr große Zahl von Bakterien in unserem Darm eine größere Bedeutung für die kardio­metabolische Gesund­heit hat, als bisher angenommen. Mit 12 Millionen Euro fördert die Europäische Union das über fünf Jahre angelegte multizentrische Forschungsprojekt METACARDIS (Meta­genomics and Integrative Systems Medicine of Cardiometabolic Diseases).

Darmflora unter der Lupe

Durch klinische und experimentelle Studien untersuchen die Forscher im METACARDIS-Projekt, wie sich die Darmflora bei Studienteilnehmern mit unterschiedlichen Graden metabolischer und kardiologischer Erkrankungen unterscheidet. Dafür wird allein das IFB Untersuchungs­daten von über 600 Probanden liefern. Eine spezielle Analyse der Stuhl­proben mit einer ge­netischen Bestimmung der Darmkeime und Messung vieler Stoffwechsel­produkte ist das Herzstück der Studie. Dadurch wird eine völlig neuartige Beschreibung der individuellen Darmflora möglich.

Grundsätzlich ist die Darmflora des Menschen mit 400 bis 500 verschiedenen Bakterien­spezies bestimmt durch die menschlichen Gene und die Keime, mit denen der Einzelne konfrontiert war. Deshalb gibt es innerfamiliär vergleichbare Darmfloren. Bekannt ist außerdem, dass bei übergewichtigen Patienten weniger Arten von Darmbakterien vor­kommen als bei Normalge­wichtigen. Auch wächst das Verständnis, wie die Darmflora durch Nahrungszusammensetzung oder Antibiotika beeinflusst werden.

Diesen Beobachtungen gehen die METACARDIS-Forscher auf den Grund, in dem sie die Wechselwirkungen prüfen zwischen dem Mikrobiom bzw. seinen Veränderungen und der Entwicklung von Erkran­kungen wie Adipositas (krank­haftes Übergewicht), Typ2-Diabetes, Arteriosklerose, Blut­hochdruck sowie Herzschwäche. Diese sehr häufigen Erkrankungen hängen ursächlich stark miteinander zusammen. Diabetes etwa entsteht häufig als Folgeerkrankung einer Adipositas. Starkes Übergewicht führt oft zunächst zum metabolischen Syndrom (Blut­ochdruck, Fettstoffwechsel- und Blutzuckerstörungen), das wiederum langfristig in Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen mündet.

Therapeutische Chancen

Ziel ist es deshalb, die gemeinsamen, krank machenden Faktoren und Ver­läufe für die genannten Erkrankungen zu identifizieren. Darüber hinaus soll heraus­gefunden werden, welche Eigenschaften der Darmflora auf ein erhöhtes Erkrankungs­risiko hinweisen und wie sie therapeutisch beeinflusst werden kann. Michael Stumvoll, wissenschaftlicher Leiter des Integrierte Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB), betont die Chancen, die METACARDIS für die Patientenbehandlung eröffnet: "Es gibt zukunftsweisende Ideen, wie man das Mikrobiom günstig beeinflussen kann. Die Nahrungsmittelindustrie denkt ja schon länger nach über Präbiotika, also Bakterien in der Nahrung, und über Probiotika zum Beispiel in Jogurt, die das Bakterienwachstum gezielt fördern. Ganz neu und erstaunlich wirksam sind Ansätze, Stuhl von gesunden Probanden auf metabolisch kranke zu übertragen. Dadurch haben sich zwölf Wochen später bei den Empfängern tatsächlich viele Faktoren des Metabolischen Syndroms deutlich verbessert."

Derzeit ist allerdings noch nicht geklärt, wie sich eine "günstige" Darmflora zusammen­setzt, mit welchen Bakterienstämmen und in welchen Ver­hältnissen. METACARDIS wird zur Klärung dieser Fragen beitragen. Erkenntnisse aus der klinischen und Grundlagen­forschung könnten zukünftig zu völlig neuartigen Behand­lungswegen der Adipositas und assoziierter Folgekrankheiten wie Insulinresistenz, Fettleber, Diabetes und Arteriosklerose führen. (red, derStandard.at, 21.1.2013)

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