Höhlenbären waren bevorzugte Neandertaler-Beute

18. Jänner 2013, 16:36
49 Postings

Kein gelegentliches Aufeinandertreffen mit ungewissem Ausgang - unsere Verwandten machten gezielt Jagd auf Bären

Berlin - Urmenschen im Kampf gegen Höhlenbären: Das war stets ein beliebtes Sujet in Sachbüchern über das Leben in der Steinzeit. Entsprechende Illustrationen suggerierten dabei einen Zweikampf auf Augenhöhe, nur mit Müh und Not konnte sich eine ganze Gruppe bewaffneter Menschen der riesigen "Bestie" erwehren. Immerhin war ein Höhlenbär (Ursus spelaeus) bis zu dreieinhalb Meter groß, also deutlich größer als ein heutiger Braunbär.

Gezielte Jagd

In Wirklichkeit dürften die Rollen von Jäger und Beute recht klar verteilt gewesen sein. Der deutsche Archäologe Lutz Kindler untersuchte über Jahre hinweg Knochenfunde aus der Balver Höhle in Nordrhein-Westfalen. Die Höhle im Sauerland ist eine der größten Fundstellen aus der Zeit der Neandertaler, wie Kindler betont. Dort seien mehr als 20.000 Tierknochen gefunden worden. Etwa zwei Drittel davon stammen von Höhlenbären.

Die Folgerung: Die Neandertaler trafen nicht nur gelegentlich auf Höhlenbären, sie machten systematisch Jagd auf die bis zu einer Tonne schweren Tiere. Sie lauerten den Bären in der Höhle auf und erlegten sie dort. Anschließend wurden die Körper praktisch vollständig ausgeschlachtet. "So ein Tier bot Sehnen für Fäden, Fell für Pelze und Fleisch", erklärt der Wissenschafter, der für das Monrepos in Neuwied arbeitet, das Archäologische Forschungszentrum und Museum für menschliche Verhaltensevolution. Selbst die Knochen wurden aufgeschlagen, um an das fettreiche Mark zu gelangen.

Spitzenprädator Mensch

Bei den Knochen in der Höhle handelt es sich um die Überreste von mehr als 100 Tieren. "Sie haben sich Höhlen bevorzugt zum Überwintern ausgesucht", sagt Kindler. Die Neandertaler seien in Gruppen immer wieder in die Höhle gegangen, um dort einzelne Bären zu töten. "Es war sehr attraktiv, dass in den Höhlen voraussichtlich immer Essen drin war", ergänzt der Archäologe. "So ein Bär ist eine Riesenportion Fett - eine wichtige Energiereserve, um über den Winter zu kommen."

Dass Höhlenbären zuhauf in der Höhle getötet wurden, zeige sich anhand von Spuren der Schlachtung auf gefundenen Knochen. Diese entsprächen der Art und Weise, wie Neandertaler auch andere Tiere wie Pferde und Rinder ausgenommen hätten.

Angegriffen hätten die Neandertaler die Bären mit Speeren und Lanzen. Kindler: "Sie mussten dicht an das Tier ran, eine echte Konfrontationsjagd." Insgesamt werde deutlich, dass Neandertaler effiziente Großwildjäger gewesen seien, die sogar gefährliche Tiere in ihren Verstecken angriffen. Kindler: "Es zeigt, dass die Menschen am Ende der Nahrungskette waren." (APA/red, derStandard.at, 18. 1. 2013)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    So ein Höhlenbär war ein beeindruckendes Tier - für Neandertaler allerdings eher ein günstiges Warensortiment.

Share if you care.