Cirque du Soleil hadert mit Kostenexplosion

18. Jänner 2013, 10:49
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Der Zirkus erwirtschaftet erstmals keinen Gewinn und streicht 400 Jobs. Im Herbst kommt er mit "Quidam" nach Österreich

Montréal - Noch nie hat der weltberühmte Cirque du Soleil so viele Tickets verkauft wie 2012. Im Herbst gastiert der erfolgsverwöhnte Zirkus mit seiner Show "Quidam" in Wien, Salzburg, Innsbruck und Graz. Und doch ist der kanadische Kulturexport Nummer eins in Finanznöten. Der in Montréal ansässige Zirkus kämpft mit unerfolgreichen Shows und Wechselkursverlusten. 400 Mitarbeiter wurden nun gekündigt.

Auf einem Auge blind

Es hätte auch anders kommen können. Der Zirkus hat sich nicht ausreichend gegen Wechselkursschwankungen versichert. Für ein mit 19 Shows am gesamten Globus präsentes Unternehmen ist das mitunter als fahrlässig einzustufen. Die laxe Handhabe könnte auch auf den Gründer und Teileigner Guy Laliberté zurückzuführen sein. Der 53-jährige Franko-Kanadier hantiert mit Geld ähnlich virtuos wie früher als Jongleur.

Seit 1984 ist es ihm immer gelungen, einen Gewinn zu erwirtschaften. 2012 war das anders, trotz über 14 Millionen verkaufter Tickets und über 750 Millionen Euro Umsatz. Man habe zu wenig auf die Kostenreduzierung geachtet, gibt Unternehmenssprecherin Renée-Claude Ménard zu. So sollen die Kosten für die Shows explodiert sein. Andere Stücke wurden mangels Erfolgs 2011 eingestellt, wie "Viva Elvis" in Las Vegas und "Zed" in Tokio.

Währungskarussell

Als Sargnagel einer schwarzen Null zu Jahresende könnte sich die Stärke des Kanadischen Dollars erweisen. Der Zirkus wird großteils in US-Dollar und Euro bezahlt. Beide Währungen verlieren gegen den Kanadischen Dollar. Gegenüber dem Greenback hat er seit 2000 um 50 Prozent aufgewertet. Zum Euro legte er etwas weniger zu.

Chef Laliberté dürfte damit gerechnet haben, dass der bereits 2011 um einen US-Dollar schwankende Kanadische Dollar wieder abwertet. Was er aber nicht getan hat. Gegenüber dem Euro verlor er nur bis zur Jahresmitte, dann ging es wieder steil bergauf. Wie vor einem Jahr bekommt man für einen Euro rund 1,32 Kanadische Dollar. So haben die ungünstigen Wechselkurse die angespannte Kostensituation verschlimmert. Mutmaßlich sind Laliberté so Millionen durch die Lappen gegangen.

Poker und Poverty

Laliberté zeigte sich denn mit seinem privaten Geld auch großzügig. So soll er im Laufe der Jahre rund 75 Millionen Euro in die NGO One Drop Foundation gesteckt haben, die armen Menschen weltweit Zugang zu sauberem Wasser verschaffen will. Zudem riskiert er Millionen in Pokerturnieren, mit und ohne Charity-Hintergrund. Gipfel der laxen Ausgabepraxis dürfte aber sein Flug zur Raumstation ISS gewesen sein. Anlässlich seines 50. Geburtstages verbrachte er dort zehn Tage. Gekostet haben soll das über 20 Millionen Euro.

Trotz der über 400 Mitarbeiter, die den Cirque du Soleil in den letzten Monaten verlassen mussten, bleibt er ohne gleichen. Er hat derzeit 5.000 Mitarbeiter weltweit, davon 2.000 in Montréal. Im Herbst 2013 gastiert er in Wien, Salzburg, Innsbruck und Graz. Den Anfang macht Graz am 5. September. Die Show wird "Quidam" heißen, was man als "Namenloser" übersetzen könnte. Tickets sind bereits erhältlich. (sos, derStandard.at, 18.1.2013)

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    Mit Konfetti beschossen. Clown in der Show "Alegria".

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    Cirque-Gründer Laliberté liebt den Zirkus, Poker und engagiert sich gegen Armut.

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