Eigensinnig, launisch und erfolgreich

Porträt15. Jänner 2013, 18:40
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Die Slowenin Tina Maze arbeitet seit 2008 mit einem eigenen Betreuerteam. In dieser Skisaison ist für die Dominatorin im Weltcup die Erntezeit angebrochen, sagt Ex-Slalomstar und Landsmann Jure Kosir

Flachau - Sie führt überlegen im Weltcup, ist nach ihrem Sieg beim Super-G von St. Anton die erst sechste Rennläuferin, die Triumphe in allen fünf Disziplinen feiern konnte. Und sie hat den Weltcup-Rekord von Hermann Maier, der in einer Saison 2000 Punkte schaffte, im Visier. "Tina Maze ist unglaublich", sagt ihr Landsmann Jure Kosir dem STANDARD. "Dabei haben wir in Slowenien nicht einmal einen Abfahrtskurs oder eine Super-G-Strecke. Die längste Abfahrt in unserer Heimat ist einen Kilometer lang."

Kosir, einst großer Konkurrent von Thomas Sykora und Sieger von drei Weltcup-Slaloms, nahm in Flachau an einem Legendenrennen mit Hermann Maier, Franz Klammer oder Renate Götschl teil und sah sich am Dienstagabend den Flutlichtslalom der Damen an. Vom Erfolgslauf Mazes in dieser Saison wurde der 40-Jährige überrascht. Dabei kennt Kosir, der Bronze bei den Olympischen Spielen 1994 in Lillehammer holte, den slowenischen Verband auch von innen. Bis 2010 war er zwei Jahre lang Präsident der Alpinen. "Aber ganz ehrlich: Niemand in Slowenien hätte Mazes Erfolge erwartet. Siege in allen Disziplinen? Unmöglich."

Beeindruckende Konstanz

Die Konstanz der 29-Jährigen in dieser Saison ist beeindruckend, sie gewann sechs Rennen in drei Disziplinen, nur in der Abfahrt fuhr sie bisher nicht aufs Podest. "Tina ist extrem fokussiert und voller Selbstvertrauen", sagt Kosir. "Sie hat ihr Training im Sommer umgestellt, arbeitet extrem hart an sich. Das sieht man an ihren Muskeln."

Dafür zeichnet ihr um 16 Jahre älterer Lebensgefährte und Trainer Andrea Massi verantwortlich. Mit dem Italiener, der Fitnesscoach im slowenischen Team war, kapselte sich Maze 2008 vom Verband ab und stellte ihr eigenes vierköpfiges Betreuerteam zusammen. Massi, einst selbst Skifahrer und Mitteldistanz-Läufer, legt großen Wert auf physisches Training und Kraftaufbau, er dürfte die perfekte Abstimmung für Maze gefunden haben.

Weltcup-Debüt mit 16 Jahren

Maze stammt aus Crna na Koroskem, einem Dorf nahe der österreichischen Grenze mit einem Skilift hinauf auf 780 Meter Seehöhe. Als 16-Jährige debütierte sie im Weltcup, 2002 gelang ihr im Riesentorlauf von Sölden der erste Sieg. 2010, da war Maze schon mit ihrem "Team to aMAZE" unterwegs, gewann sie in Vancouver zwei olympische Silbermedaillen, 2011 wurde sie in Garmisch-Partenkirchen Weltmeisterin im Riesentorlauf. Die Erntezeit dürfte für die 17-fache Weltcupsiegerin aber erst angebrochen sein. "Wir können spezielle Dinge von ihr erwarten", spielt Kosir nicht nur auf die WM in Schladming und den möglichen Punkterekord im Weltcup an.

Denn Maze ist, wie Kosir es nennt, ein "Mädchen mit sofortigen Entscheidungen". Der Slowenin wird Launenhaftigkeit nachgesagt, das soll mitunter auch ihr Mini-Team zu spüren bekommen. "Tina kann starrköpfig sein", sagt Kosir. "Aber ich würde nicht sagen, dass sie eine Diva ist. Sie ist sehr speziell, lassen wir es so stehen." Maze mache ihren Job professionell, man könne sie aber auch auf dem falschen Fuß erwischen. " Und es ist definitiv nicht gut für dich, wenn du sie auf dem falschen Fuß erwischst."

Aufsehen erregte im Vorjahr ihre Aktion in Cortina, als sie nach dem Super-G ihren BH zeigte. "Not Your Business" stand darauf geschrieben, es war eine Antwort an den Weltverband Fis, der ihre Unterwäsche auf Luftdurchlässigkeit überprüfte. Ihre Single "My Way Is My Decision", die sie mit einem befreundeten Produzenten aufnahm, landete in den slowenischen Charts auf Platz eins. Maze, die auch für Armani modelt, ist die bei weitem populärste Sportlerin des Landes. "Tina überrascht gerne", sagt Kosir. "Vielleicht tritt sie nach der Saison auch zurück. Bei ihr weißt du es nie genau." (David Krutzler, DER STANDARD, 16.1.2013)

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    Die sechsfache Saisonsiegerin Tina Maze nimmt den Weltcup-Punkterekord von Hermann Maier und Medaillen bei der WM in Schladming ins Visier.

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