Bahnausbau: Angewandte Voodoo-Ökonomie

Kommentar14. Jänner 2013, 18:34
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Es sind immer noch die Steuerzahler, die Schienennetz und Bahnverkehr am Laufen halten

In ihrer Offenherzigkeit ist Doris Bures fast schon wieder originell. Kaum hatte die Industriellenvereinigung ihre wunderbare Studie über die segensreichen Wirkungen von Bahnausbau und Bahnindustrie präsentiert, hielt die Verkehrsministerin über die wahren Motive der in Variationen bereits mehrfach präsentierten Erhebung nicht hinterm Berg. Jetzt, wo es ökonomisch und wissenschaftlich bewiesen sei, dass Österreich vom System Schiene volkswirtschaftlich so nachhaltig profitiere, sagte die Ministerin sinngemäß, werde die ÖBB hoffentlich nicht mehr für parteipolitische Geplänkel missbraucht.

Aus Sicht der Staatsbürger, Bahnfahrer und Steuerzahler ist zu hoffen: Der Wunsch möge sich nicht erfüllen. So positiv eine gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur sein mag, sei daran erinnert: Schienennetz und Bahnverkehr sind nicht Wohltaten mehr oder weniger profilierungssüchtiger Politiker oder gar Selbstzweck. Es sind immer noch die Steuerzahler, die dieses Jahr für Jahr Milliarden verschlingende System am Laufen halten. Gefragt, welche Prioritäten sie dabei setzen woll(t)en, werden sie nicht.

Den Aufwand für die x-te Studie zu diesem Thema hätten sich Bahn und Industrie sparen können, erinnert die daraus gewonnene Erkenntnis doch frappant an die angewandte Voodoo-Ökonomie der Eurofighter-Gegengeschäfte. Hätte Österreich hundert Abfangjäger gekauft statt nur 15, wir wären im Wirtschaftshimmel wie China. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 15.1.2013)

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