Immer mehr Manager holen sich Rat bei Astrologen

11. Jänner 2013, 17:05
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Es ist nicht die völlige Ratlosigkeit, die sie zusätzlich Informationen einholen lässt, vielmehr der Wunsch nach Absicherung geplanter Entscheidungen

Die Wirtschaftskrise hat den Zulauf bei den Astrologen verstärkt. Da ist auch Gabriela Maria Steiner, systemische Unternehmensberaterin, Astrologin und Coach sicher. Viele Kunden, die bereits vor der ersten Wirtschaftskrise 2008/2009 den Rat der Astrologen suchten, sagt sie, konnten davor gewarnt werden, andere wiederum haben die Warnungen nicht ernst genug genommen. Steiner: "Es war wohl wie damals bei Kassandra: Häufig wollen solche Rufe nicht gehört werden."

Was das Heute betrifft, so holen sich viele ihrer eigenen Klienten bei ihr Zusatzinformationen. Dieses Gefühl, sich noch weiter absichern zu wollen, habe sich verstärkt, so Steiner weiter.

Die Mödlinger Astrologin und Gründerin sowie Vizepräsidentin des Österreichischen Astrologenverbandes, ist seit Jahresbeginn ebenso Leiterin der Sektion Wirtschaftsastrologie. Nicht ohne Grund, sagt sie, man bemühe sich damit auch um Aufklärung der Öffentlichkeit.

Steiner teilt ihre Klientel aus dem Wirtschaftsleben, die nur auf Empfehlung zu ihr gelange, wie folgt ein: "Ein Drittel Top-Manager - meist aus der Konzernwelt -, ein Drittel aus dem mittleren Management - jene, die sich persönlich coachen lassen, aber auch Personalentscheidungen mithilfe der Astrologie treffen - und ein Drittel Firmeninhaber bzw. Unternehmer mit einer Mitarbeiterzahl von zehn bis 200." Sie alle kommen, sagt sie, "zugeben würden sie es nur ungern", so die Astrologin weiter. Die Astrologie habe nämlich in der westlichen Kultur ein noch angeschlagenes Image, sagt sie. Aber, fügt Steiner an, die Welt funktioniere auch nach anderen Gesetzen.

Ganzheitliches Weltbild

In einer Welt der Wissenschaftsgläubigkeit sei die Astrologie eine Beobachtungslehre, eine Erfahrungslehre, die es seit 5000 Jahren gebe, sagt Steiner. Sie arbeite auf Basis astronomischer Berechnungen und interpretiere Planetenkonstellationen aufgrund einer bestimmten Erfahrung. Die Astrologie arbeite mit Analogien oder Synchronizität - " so wie die Uhr nicht die Zeit macht, sondern nur die Zeit zeigt, zeigen uns die Planeten ein bestimmtes Bild auf der Erde".

Es gehe um komplexe Zusammenhänge, basierend auf einem Regelwerk, "das wir erst jetzt beginnen langsam zu verstehen", so Steiner weiter. Ein Zusatz, zum mechanistischen Weltbild, wie sie sagt. Ihre Kunden aus der Wirtschaft beschreibt Steiner dementsprechend als "rationale Manager, die sich einem ganzheitlichen Weltbild geöffnet haben". Oft nehmen diese aber zunächst gerne den Umweg oder den Einstieg über die "konventionelle" Unternehmensberatung - die astrologische Beratung bleibt aber dann nicht lange ein Add-on.

Fragen nach der wirtschaftlichen Entwicklung der Unternehmungen, nach Investitionen - wo und wie viel - oder Fragen nach der Standortwahl, guten Zeitpunkten für Fusionen werden, so Steiner, ebenso häufig gestellt wie jene nach der richtigen Personalauswahl oder Karriereverläufen.

"Zum Spaß kommt keiner"

"Das ist ein Trend, der sich verstärkt", sagt Steiner. Personalentscheider kommen dann mit einer Vorauswahl an Lebensläufen. " Meist geht es dann um die Frage, ob diese Leute auch ins Team passen. Das eine oder andere absolvierte Diplom sagt nämlich häufig gar nichts aus", sagt sie. Diese Manager lassen sich von Bewerbern nicht selten ihre Geburtsdaten - samt Ort und Zeit - geben, um diese dann astrologisch prüfen zu lassen - "manche outen sich dann schon", so Steiner weiter. Nur zum Spaß gehe jedenfalls keiner zum Astrologen, ist Steiner überzeugt. "Nicht viele zahlen einen Preis für etwas, an das sie nicht glauben", sagt sie.

Meistens gehe es um die Bestätigung einer bestimmten Vorarbeit, die der oder die Managerin bereits geleistet hat. Würde sie persönlich auf " Anraten der Sterne" ihren eigenen Unternehmensstandort von Mödling nach - zum Beispiel - Salzburg verlegen? "Solange es hier funktioniert, muss ich mir das nicht überlegen oder anschauen. Wenn mein Unternehmen aber Probleme bekommen würde, würde ich es mir anschauen, aber auch mit anderen Aspekten abwägen", sagt sie.

Die Frage nach ihrem eigenen Sternzeichen beantwortet Steiner - "allein danach Menschen und ihre Fähigkeiten zu bewerten ist unseriös" - eher ungern und dennoch ausführlicher als erwartet: "Ich habe vier Planeten im Steinbock und einige davon im elften Haus, was für die Beratungstätigkeit und die Astrologie von Vorteil ist. Mein Aszendent ist Fische: Ich habe also die Gabe, Dinge ganzheitlich zu erfassen und empathisch zu sein, zwischenmenschliche Schwinungen aufzunehmen. Den Mond habe ich im Schützen - das ist der Optimist." (Heidi Aichinger, DER STANDARD, 12./13.1.2013)

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