Fonds-Bilanz 2012: Auf der Sonnenseite

8. Jänner 2013, 10:08
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Investmentfonds wurden im vergangenen Jahr von expansiver Geldpolitik auf Händen getragen, zweistellige Renditen waren möglich

2012 war nach allen Maßstäben ein gutes Fondsjahr. Die Lipper-Daten für das Gesamtjahr zeigen, dass mehr als 91 Prozent aller in Österreich zugelassenen Fonds im Plus waren. Im Schnitt brachten die Investmentfonds 10,4 Prozent Ertrag. Nach Inflation haben immerhin noch 5624 der 6787 zugelassenen Fonds einen realen Ertrag erwirtschaftet.

Dabei konnten Anleger (und auch Fondsmanager) im vergangenen Jahr wenig falsch machen. Mit den beiden wichtigsten Anlageklassen Anleihen und Aktien waren in fast jedem Fall Gewinne zu machen (siehe Grafik). Im Schnitt legten globale Anleihenfonds um über sechs Prozent, globale Aktienfonds um über zehn Prozent zu. "Wie die anhaltende Performance verschiedener Anlageklassen in den letzten Monaten andeutete, sind viele Anleger durch die lockere Geldpolitik der Fed in letzter Zeit relativ entspannt", sagen etwa die Anleihenexperten von Franklin Templeton. Die Entspannung lässt sich auch am Volatilitätsindex ablesen. Er ist mit einem Wert von unter 14 so niedrig wie seit Jahren nicht.

Die Schlussfolgerung der Anleger für 2012 war daher: Was riskant ist, bringt Geld. Je riskanter, desto besser. Die Top-Liste der Fonds 2012 ist voll mit türkischen Aktienfonds. Sie stellen die zwölf besten Einzelfonds, mit Erträgen liegen zwischen 59 und 72 Prozent. Die türkische Börse gilt als der volatilste Aktienmarkt überhaupt. Die ungewöhnliche Zentralbankpolitik hatte 2011 zudem den türkischen Markt abstürzen lassen. 2012 kam die kraftvolle Wende.

Auch in anderen Bereichen hat sich Risiko ausgezahlt. Nischenmärkte wie etwa asiatische Immobilienaktienfonds zählten ebenso zu den größten Gewinnern. Insgesamt haben globale Schwellenländer-Aktienfonds im Schnitt knapp 15 Prozent Ertrag gebracht. Das rasch wachsende Universum der Bond-Fonds in den aufstrebenden Volkswirtschaften hat die Investoren ebenso reich belohnt, mit fast genauso viel Rendite wie bei den Aktien. Zwei Treiber sehen Analysten hinter dieser Entwicklung. Erstens hat sich die Kreditqualität in den Schwellenländern zusehends verbessert. So hat etwa die Türkei kürzlich den Status Investment Grade erhalten, und gilt damit für die Ratingagenturen nicht mehr als spekulatives Investment.

Gleichzeitig hat der Anlagenotstand in den Industrienationen viele Investoren erfinderisch gemacht. Wenn Staatsanleihen hierzulande nicht einmal zwei Prozent (vor Steuern und Inflation) Rendite haben, wirken die Zinsen in den Schwellenländern umso attraktiver. Knapp 90 Milliarden Dollar sind daher alleine 2012 in die Anlageklasse der Schwellenländer-Anleihen geflossen, schätzt JPMorgan (Reuters).

Von dieser Jagd nach Rendite konnten auch Unternehmens- und vor allem Hochzinsanleihen profitieren, die deutlich stärker zugelegt haben als konservative Staatsanleihen, nämlich zwischen zwölf und 15 Prozent.

In Europa gewinnen Sicherheit und CEE

Doch österreichische Anleger mussten 2012 den Blick gar nicht so weit schweifen lassen, um hohe Erträge zu lukrieren. Die Wiener Börse hat nach einigen eher mauen Jahren eine kleine Erholung hingelegt. Dank der steigenden Kurse der in Osteuropa engagierten Banken waren in einigen Österreich-Aktienfonds mehr als 30 Prozent drin. Im Schnitt legten die Fonds um 28 Prozent zu.

Ähnlich stark ging es im Nachbarland Deutschland bergauf. Ein Plus von 26,8 Prozent hat der durchschnittliche Deutschland-Aktienfonds verbuchen können.

Fast scheint es so, als hätte es im Fondsjahr 2012 nur Licht gegeben. Wenn selbst konservative Mischfonds, die oft maximal 15 Prozent in Aktien ihren Anlegern, mehr als 7,5 Prozent Rendite gebracht haben, kann fast nichts schief gehen.

Hedgefonds hinken hinterher

Ein kleiner Wehrmutstropfen sei bereits hier angemerkt: Hedgefonds haben heimische Anleger im vergangenen Jahr enttäuscht. Im Schnitt hat der Bereich Alternatives laut Lipper-Daten gerade einmal eine Rendite von 1,1 Prozent abgeliefert. Die hohen Kosten und das schlechte Abschneiden von systematischen Strategien haben Investoren hier einen Strich durch die Rendite gemacht.

Im zweiten Teil der Fonds-Bilanz zum Jahr 2012 werden die Schattenseiten des abgelaufenen Jahres dokumentiert. Denn wieder einmal war es für aktive Fondsmanager schwierig, für ihre Kunden einen Mehrwert zu generieren. (Lukas Sustala, derStandard.at, 8.1.2013)

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