Brücke Nr. 2 soll Grenze und Hürde überwinden

8. Jänner 2013, 05:30
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Zweite Donauverbindung Rumänien-Bulgarien

Calafat/Widin/Wien - Als während des Kosovokrieges 1999 die Donaubrücke in Novi Sad (Serbien) von der Nato bombardiert wurde, beschloss man hunderte Kilometer flussabwärts ein neues Brückenprojekt: Es hieß nüchtern "Brücke Nr. 2". Im Frühjahr 2013 wird die zweite Donaubrücke zwischen Rumänien und Bulgarien eröffnet.

Historisch ist Nr. 2 die dritte Brücke in diesem Abschnitt. Die erste wurde im vierten Jahrhundert unter Kaiser Konstantin dem Großen gebaut. Die hölzerne Konstruktion erstreckte sich über 2,4 Kilometer und war die längste Brücke des römischen Imperiums. Sie bestand vier Jahrzehnte.

Die einzige derzeit befahrbare Verbindung in diesem Bereich, die "Brücke der Freundschaft", wurde 1954 zwischen der bulgarischen Stadt Ruse und dem rumänischen Giurgiu errichtet.

"Es ist derselbe Fluss und doch ein anderer", sagt die bulgarische Botschafterin in Wien, Elena Schekerletowa. "Bei ihnen wird der Fluss in das alltägliche Leben einbezogen. Man sieht, was am anderen Ufer geschieht. Er fließt mitten durch eine Stadt, er ist keine Grenze und kein Hindernis. Bei uns in Bulgarien ist die Donau schon immer die Nordgrenze gewesen. Sie hat das Land geschützt und war gleichzeitig eine Hürde." 470 Kilometer Grenze zwischen Bulgarien und Rumänien - und bis dato nur eine Brücke.

"Brückenärmster Fluss

Der deutsche Reiseschriftsteller Johann Georg Kohl schrieb 1842 vom " brückenärmsten Fluss" Europas. Budapest wurde erst zur Großstadt, als die beiden selbstständigen Städte Óbuda (rechtes Donauufer) und Pest durch Brücken miteinander verbunden wurden. Das war Mitte des 19. Jahrhunderts, als bereits 50 Brücken über die Themse gespannt waren.

Trotz aller Schwierigkeiten, den Fluss zu passieren, war die Donau die wichtigste Verbindung nach Europa. In Rumänien wird sie die "Straße ohne Staub" genannt. Der in Ruse geborene Schriftsteller Elias Canetti schrieb: "Und wenn jemand die Donau hinauf nach Wien fuhr, sagte man, er fährt nach Europa. Europa begann dort, wo das türkische Reich einmal geendet hat."

Botschafterin Schekerletowa: "Die Eröffnung der Brücke ist für uns ein Ausnahmeereignis. Es hätte noch länger gedauert, wären wir nicht in der EU." Von den 300 Millionen Euro Kosten kamen 70 Mio. vom EU-Strukturfonds Ispa und 70 Mio. von der Europäischen Investitionsbank (EIB). Die Brücke Nr. 2 ist drei Kilometer lang und wichtiger Teil des Paneuropäischen Verkehrskorridors IV. (wald, DER STANDARD, 8.1.2013)

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