Facebooks hartnäckige Ignoranz gegenüber Gewalt an Frauen

7. Jänner 2013, 10:26
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Soziales Netzwerk findet offenbar selbst in Vergewaltigungsaufrufen nichts Bedenkliches

Jeder, der Facebook nutzen will, muss sich mit einer Reihe von Grundsätzen einverstanden erklären. Dabei wird unter anderem festgelegt, dass jegliche Form von "Hass, Drohungen und Gewalt" untersagt wird. So weit die Theorie. In der Praxis scheint Facebook allerdings eine wesentlich "lockerere" Herangehensweise an diese Grundsätze zu haben, zumindest wenn es um Hass auf Frauen geht.

"Kontroversiell"

Besonders deutlich zeigt dies der Fall der Isländerin Thorlaug Agustsdottir: Diese war rund um Weihnachten über eine Facebook-Seite unter dem Titel "Kontroversieller Humor - Warum Männer besser als Frauen sind" gestolpert. Nach einigen Diskussionen mit einem Poster, fand sie ihr eigenes Profilfoto auf der Wall der entsprechenden Seite wieder, allerdings in modifizierter Form.

Gewalt

Ihr Gesicht war per Photoshop so verändert worden, dass es so aussah als sei sie vor kurzem verprügelt worden. Darüber auf isländisch der Spruch: "Frauen sind wie Gras, sie müssen regelmäßig geschlagen/geschnitten werden". Zudem bekam sie einen Kommentar ihres Gegenübers, der ihr mitteilte, dass sei "einfach nur vergewaltigt gehöre".

Meldung

Agustsdottir meldete daraufhin das Bild bei Facebook, nur um einige Stunden später eine klare Antwort zu bekommen: Das betreffende Bild erfülle nicht die Kriterien für eine Entfernung. In den folgenden Tagen versuchte sie - gemeinsam mit anderen Facebook-NutzerInnen - das Foto noch mehrmals zu melden, immer mit der gleichen abschlägigen Antwort.

Entfernt

Erst als isländische Medien die Angelegenheit publik machten, verschwand zuerst das Bild, dann die gesamte Seite. Unklar bleibt bisher allerdings, ob Facebook überhaupt die Löschung vorgenommen hat, oder es die Betreiber der öffentlichen Aufmerksamkeit zu entfliehen suchten. Agustsdottir erreichte jedenfalls noch Stunden nachdem die Seite offline genommen wurde, eine weitere abschlägige Antwort von Facebook auf ihr Löschansuchen.

Wiederholung

Es ist nicht das erste Mal, dass Facebook für seinen Umgang mit Frauenhass in die Kritik kommt: So weigerte sich das soziale Netzwerk Ende 2011 zunächst mehrere Seiten zu entfernen, die zur Vergewaltigung von Frauen aufriefen. Die damalige offizielle Antwort des Unternehmens gegenüber der BBC zeigt ein erschreckendes Unverständnis gegenüber der Thematik auf. Es sei wichtig darauf hinzuweisen, dass "Dinge, die manche anstößig finden, von anderen als lustig empfunden werden", hieß es damals. Eine anstößige Meinung zu haben, sei noch kein Verstoß gegen die Facebook-Richtlinien.

Petition

Erst nach einer öffentlichen Debatte und einer Petition auf Change.org, die 200.000 Unterschriften versammelte, wurde zumindest ein Teil der Seiten entfernt. Ein weiterer Teil konnte sich unter dem Deckmantel des "Humors" halten. (apo, derStandard.at, 6.1.2013)

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