Todesstrafe-Artikel: Keine Ermittlungen gegen Grazer Uni-Professor

31. Dezember 2012, 12:03
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Nicht jede misslungene Erklärung sei strafbar, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft zu dem Beitrag von Richard Parncutt

Keine Ermittlungen wird die Staatsanwaltschaft Graz gegen jenen Musikpsychologen der Grazer Universität aufnehmen, der in den vergangenen Wochen durch einen über den Uni-Server veröffentlichten Artikel über die Angemessenheit der Todesstrafe für Leugner des Klimawandels und den Papst als Kontrazeptionsgegner Proteste ausgelöst hatte.

Man habe geprüft, aber keine möglichen Tatbestände eines Offizialdeliktes erkennen können. "Nicht jede misslungene Formulierung ist strafbar", erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Hansjörg Bacher am Montag.

Weltweiten Protest ausgelöst

Der Beitrag unter dem Titel "Death penalty für global warming deniers?" hatte über die Weihnachtsfeiertage zu Protestnoten aus der ganzen Welt geführt. Richard Parncutt, gebürtiger Australier und Professor für systematische Musikwissenschaft, hatte darin zur Diskussion gestellt, ob nicht die Todesstrafe ab einer gewissen Größenordnung der potenziell letal Geschädigten angemessen sei. Primär zielte der Professor auf Leugner des Klimawandels ab, doch wurden auch der Papst und seine Berater angeführt, zumal sie mit ihrer Haltung zur Kontrazeption an Millionen Aids-Toten mit schuldig seien.

Uni distanzierte sich von Beitrag

Die Leitung der Universität Graz distanzierte sich umgehend und veranlasste Parncutt, den Beitrag zurückzuziehen und sich zu entschuldigen.Wie Uni-Graz-Pressesprecher Andreas Schweiger einen Bericht des "Kurier" (Samstag-Ausgabe) bestätigte, habe man durch rund 50 Beschwerdemails Kenntnis von der problematischen Veröffentlichung erhalten.

Wie Schweiger bereits am Freitag sagte, sei er über die Äußerungen "entsetzt und bestürzt" und habe umgehend klargestellt, dass Parncutts Meinung nicht die der Uni sei. Der Dekan der Geisteswissenschaftlichen Fakultät, Helmut Konrad, veranlasste die Entfernung des Textes, der durch eine Entschuldigung des Autors ersetzt wurde. Konrad und Rektorin Christa Neuper verlangten Sachverhaltsdarstellung und luden den Professor für Jänner zu einem Gespräch ein.

In seinem Wikipedia-Eintrag heißt es, dass sich Parncutt neben seiner musikpsychologischen Forschungs- und Lehrtätigkeit in den Bereichen Interkulturalitäts- und Rassismusforschung engagiere.

Debatte über Diskurs-Auftrag

Der Beitrag ist zwar mittlerweile vom Uni-Server gelöscht worden, ist aber weiter in diversen Blogs nachzulesen. Inzwischen gibt es auch eine Debatte darüber, wie eine Hochschule ihrem gesellschaftspolitischen Diskurs-Auftrag nachkommen und gleichzeitig einzelne Grenzüberschreitungen dieser Art verhindern kann. (APA, 31.12.2012)

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