Italienerinnen protestierten in Miniröcken gegen reaktionären Priester

29. Dezember 2012, 14:12
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Toskanischer Pfarrer hatte Frauen unterstellt, mit leichter Bekleidung Gewalt zu provozieren

Rom - Frauen aus ganz Italien nahmen am Sonntag im Minirock an einer Messe im Dom der toskanischen Stadt Carrara teil. Damit wollten sie gegen den Pfarrer der Ortschaft San Terenzo an der ligurischen Küste protestieren, der mit einem frauenfeindlichen Text einen Sturm der Entrüstung ausgelöst hat. Der Priester, Piero Corsi, hatte zu Weihnachten einen Aushang an die Kirche gehängt, indem er Frauen unterstellte, mit leichter Bekleidung Gewalt zu provozieren.

Fackelzug

1.500 Frauen beteiligten sich am Freitagabend an einem Fackelzug in San Terenzo, um gegen den Priester zu protestieren, der infolge der empörten Reaktionen eine Auszeit nehmen musste. Die Demonstrantinnen verlasen die Namen der 122 Frauen, die 2012 in Italien von Männern ermordet wurden. Der Protest wurde von prominenten Italienerinnen unterstützt.

Die Demonstration in San Terenzo drohte in Krawalle auszuarten, als einige Frauen in die Kirche eindrangen und eine Messe unterbrachen. Dabei kam es zu einer heftigen Diskussion mit einigen Gläubigen. Die Polizei überzeugte die Demonstrantinnen, die Kirche zu verlassen.

"Frauen sind oft arrogant"

"Die Frauen, die mit ihrer knappen Bekleidung provozieren, die sich von dem tugendhaften Leben und der Familie entfernen, provozieren die Instinkte und sollten ihr Gewissen überprüfen und sich fragen: 'Vielleicht legen wir es darauf an?'", hieß es in dem Text, den der Pfarrer in seiner Gemeinde veröffentlicht hatte. "Frauen sind oft arrogant, sie denken, dass sie total selbstständig sind, und verschärfen somit nur die Spannungen. Kinder werden sich selbst überlassen, die Wohnungen sind schmutzig, die Speisen sind kalt, oder kommen aus Fast-Food-Restaurants. Wenn es in den Familien eskaliert und es zum Mord kommt - eine Form von Gewalt, die zu verurteilen ist und scharf bestraft werden muss - liegt die Verantwortung oft auf beiden Seiten", schrieb der Priester.

Empörte Reaktionen

Die Initative Corsis löste empörte Reaktionen aus. Intellektuelle und Politikerinnen kritisierten den Priester scharf. "Das sind wahnsinnige Ideen, die der Kirche nur schaden", klagte Ex-Frauenministerin Mara Carfagna. Der für Corsis Gemeinde zuständige Bischof Ernesto Palletti forderte den Priester auf, sein Traktat zurückzunehmen. Auch der Präsident der italienischen Bischofskonferenz CEI, Kardinal Angelo Bagnasco, verurteilte den Priester.

Der Pfarrer musste sich unter dem Druck der Proteste entschuldigen und kündigte die Auszeit an. Gegenüber dem Fernsehkanal der Diözese dementierte er allerdings, eine E-Mail an Pressevertreter geschickt zu haben, in der er die Niederlegung seines Amtes infolge einer "unvorsichtigen Provokation" angekündigt habe. Auch das Bistum bestritt, dass der Pfarrer dem Bischof eine solche Absicht kundgetan habe. (APA, 29.12.2012)

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