Arbeiten bis 70: Sozialminister winkt ab

27. Dezember 2012, 17:56
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Sozialminister Hundstorfer widerspricht der Prognose eines OECD-Experten

Dürfen die Österreicher künftig erst mit 70 Jahren in Pension gehen? Rudolf Hundstorfer widerspricht der Prognose eines OECD-Experten im STANDARD. Der Sozialminister will auch keine höheren Abschläge für Frühpensionisten, dafür aber Pönalen für Firmen.

Wien - Junge Menschen von heute müssten bis ins Alter von 70 Jahren arbeiten, wenn das Pensionssystem finanzierbar bleiben soll: Die Botschaft, die OECD-Experte Christopher Prinz im Standard anbrachte, taugt im frühpensionsfixierten Österreich nicht als Stimmungsaufheller - das beginnt beim zuständigen Sozialminister. Er könne nicht voraussagen, was in 40 Jahren sei, quittiert Rudolf Hundstorfer die Rechnung des Ökonomen, "aber an eine Erhöhung des gesetzlichen Pensionsalters wird jedenfalls nicht gedacht". Derzeit liegt dieses für Männer bei 65 Jahren und für Frauen bei 60 Jahren.

Seine Herausforderung sei, das reale an das gesetzliche Pensionsalter heranzuführen, argumentiert der sozialdemokratische Minister. Tatsächlich treten die Österreicher im Schnitt nämlich bereits mit 59 (Männer) bzw. 57 Jahren (Frauen) in den Ruhestand. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass so viele Menschen wegen Krankheit in Pension gehen.

Die Regierung versucht das zu ändern, indem Invaliditätspensionen durch Rehabilitation verhindert werden sollen. Außerdem gibt es Verschärfungen bei der regulären Frühpension, so steigen die Abschläge von 4,2 auf 5,1 Prozent. Anders als Prinz hält Hundstorfer noch höhere Abschläge für nicht nötig. Sehr wohl ist der Minister aber für Pönalen für Unternehmen, die Mitarbeiter in die Frühpension abschieben. "Wir versuchen schon länger, ein vernünftiges Bonus-Malus-System durchzusetzen", sagt er. Mehr als ein Kompromiss in Form der neuen Abgabe von 110 Euro pro Kündigung sei aber nicht möglich gewesen - vorerst.

Dass künftige Pensionen gemessen am letzten Berufseinkommen in der Regel niedriger ausfallen werden als bisher, bestätigt Hundstorfer als Resultat diverser Reformen. Im Pensionskonto werden letztendlich alle Berufsjahre zur Berechnung der Pensionshöhe herangezogen - damit auch schlechter bezahlte Jahre. (jo, DER STANDARD, 28.12.2012)

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