Berlusconi: "Meine Regierung war in Europa gefürchtet"

26. Dezember 2012, 17:50
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Ex-Premier wettert gegen Wahlkampfmanöver von Mario Monti

Ausländern waren die Wirrnisse der italienischen Politik schon immer rätselhaft. Erst mit Mario Monti kam etwas Klarheit. Jetzt ist es plötzlich der Premier selbst, der wieder Rätsel aufgibt, denn er kann sich offenbar nicht entscheiden, ob er neutral bleibt oder selbst im Wahlkampf mitmischt. Die Feiertage verbrachte Monti am Telefon, um mit den Zentrumsparteien über ein Engagement im Wahlkampf zu verhandeln. Darauf deutete eine von ihm gesendete Twitter-Meldung hin.

Der scheidende Premier hatte am Wochenende eine umfangreiche Reform-Agenda ins Internet gestellt - eine Aktion, die von Corriere della Sera und Repubblica als "nebulös" gewertet wurde. Silvio Berlusconi bezeichnete sie als "neues Steuerpaket", räumte aber ein, sie gar nicht gelesen zu haben.

Der Cavaliere, der in zwei Wochen 13 TV-Auftritte absolvierte, war in einer Talkshow auf RAI 2 Protagonist eines denkwürdigen Auftritts. Weil ihn Moderator Massimo Giletti mit zwei Fragen "unterbrach", drohte er, das Sendestudio aus Protest zu verlassen. "Meine Regierung", behauptete Berlusconi, "war in Europa nicht verlacht, sondern gefürchtet!"

Berlusconi verliert Anhänger

Unterdessen haben mehrere ehemalige Minister Berlusconi und seinem PdL den Rücken gekehrt - darunter Franco Frattini und der langjährige Innenminister Giuseppe Pisanu. Auch der Partito Democratico (PD) hat fünf Abgeordnete verloren: Sie wollen Montis Agenda unterstützen.

Monti bleibt nur wenig Zeit, eine verbindliche Entscheidung über seinen Einstieg in den Wahlkampf zu treffen. Noch ist unklar, ob die Zentrumsparteien, die Monti unterstützen, eine oder mehrere Listen präsentieren. "Wir legen jede Entscheidung in Montis Hände", versicherte der Christdemokrat Pier Ferdinando Casini.

Monti drängt die Parteien zu "tiefgreifender Erneuerung. Der DPD-Vorsitzende Pier Luigi Bersani zu Montis möglichem Einstieg in die Politik: "Wir wollen sehen, ob der Premier neutral bleibt oder sich auf eine Seite schlägt."

In zwei Wochen läuft die Frist zur Hinterlegung der Kandidatenlisten ab. Neue Listen müssen mindestens 30.000 beglaubigte Unterschriften wahlberechtigter Bürger vorlegen. (Gerhard Mumelter, DER STANDARD, 27.12.2012)

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