Herbergssuche mit der ÖBB

Kolumne23. Dezember 2012, 19:04
225 Postings

Wegen Überbuchung durfte eine Familie nicht in den Autozug von Hamburg nach Wien

Aus gegebenem Anlass wird heute die Geschichte von Susanne L., ihrer Tochter Lina (7) und deren Großmama Eva erzählt. Anfang September waren sie auf der Rückfahrt aus dem Norden Skandinaviens (ja, wo Santa und sein Christkind hausen!). Weil das ein breiter Weg ist, hatte L. die Etappe Hamburg-Wien per Autozug gebucht.

Rechtzeitig erreichten sie den Bahnhof, reihten sich in die Schlange ein. Die Verladung begann, als Frau L. plötzlich zur Seite gewunken wurde: Wegen Überbuchung durch die ÖBB sei ihr Platz leider weg. Die Tickets würden in Wien refundiert - und tschüss.

Weil tags darauf ein wichtiger Termin wartete, blieb L. nichts übrig, als sich wieder auf die Autobahn zu quälen und die verbleibenden 1200 Kilometer durch die Nacht zu pflügen. Die Wut im Bauch mag beim Wachbleiben geholfen haben.

Zurück in Wien meldete sie sich bei den ÖBB. Die Tickets, hieß es, würden zurückgenommen. Als besonderes Entgegenkommen wäre man sogar bereit, eine Tankfüllung (?) zu übernehmen. Nicht beantwortet wurde die Frage, ob eine Reservierung bei den ÖBB de facto einer Lotterie gleiche, bei der es vom Glück abhängt, ob man mitgenommen wird oder nicht.

Statt dessen kam jetzt, mit charakteristischer Verspätung, ein Schimmelbrief mit fünf Gutscheinen à acht Euro - "im Sinne der Kulanz". Man kann verstehen, dass Frau L. seitdem um ihren Weihnachtsfrieden ringt. (Severin Corti, DER STANDARD, 24.12.2012)

Share if you care.