Papst sieht "Krise der Familie"

21. Dezember 2012, 16:20
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Pontifex beklagt "tiefe Unwahrheit" moderner Theorien über die sexuelle Identität

Rom - Einige Tage vor Weihnachten kritiserte Papst Benedikt XVI. eine Verwässerung des klassischen Familienbildes und stellte damit indirekt gleichgeschlechtliche Beziehungen an den Pranger. Ohne die gleichgeschlechtliche Ehe ausdrücklich zu erwähnen, warnte der Pontifex am Freitag bei einem Weihnachtsempfang für die Kurie im Vatikan vor einem "Angriff auf die wahre Gestalt der Familie aus Vater, Mutter, Kind".

"Leugnung des Schöpfers"

In den vergangenen Monaten waren international immer wieder Debatten über gleichgeschlechtliche Partnerschaften und das Adoptionsrecht lesbischer und schwuler Paare aufgeflammt. Benedikt sprach von einer "Krise der Familie".

Der Papst beklagte die "tiefe Unwahrheit" moderner Theorien über die sexuelle Identität, wonach das Geschlecht eine persönliche Entscheidung sei. Als Grundlage zitierte er dafür die Worte der französischen Schriftstellerin, Philosophin und Feministin Simone de Beauvoir: "Man wird nicht als Frau geboren, sondern man wird dazu."

Der Mensch bestreite dadurch seine Natur und sei nur noch Geist und Wille, beklagte das Oberhaupt von rund 1,2 Milliarden KatholikInnen weltweit. "Wo die Freiheit des Machens zur Freiheit des Sich-selbst-Machens wird, wird notwendigerweise der Schöpfer selbst geleugnet und damit am Ende auch der Mensch als göttliche Schöpfung, als Ebenbild Gottes im Eigentlichen seines Seins entwürdigt."

"Kampf um die Familie"

Mann und Frau würden durch solche Theorien "als einander ergänzende Gestalten des Menschseins" bestritten, sagte der Papst, der im April 86 Jahre alt wird. "Wenn es aber die von der Schöpfung kommende Dualität von Mann und Frau nicht gibt, dann gibt es auch Familie als von der Schöpfung vorgegebene Wirklichkeit nicht mehr." Auch das Kind verliere damit seinen Platz - und seine Würde. "Im Kampf um die Familie geht es um den Menschen selbst."

Die Kirche müsse mit aller Klarheit für ihre "nicht verhandelbaren Grundwerte" eintreten, forderte Benedikt. "Sie muss alles tun, um Überzeugung zu schaffen, die dann zu politischem Handeln werden kann." (APA, 21.12.2012)

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