Wien Energie an Isel-Kraftwerk interessiert

18. Dezember 2012, 19:07
19 Postings

Osttiroler Projekt ist höchst umstritten - weitere Ausbaupläne für 2013

Wien - Das Kraftwerksprojekt im Virgental ist eines, das bei Umweltschützern und Grünen für Adrenalinschübe sorgt: Denn die Isel samt ihren Zubringern ist eine der schönsten alpinen Flusslandschaften - und diesen Sommer hatte die Europäische Kommission in einem Schreiben bestätigt, dass dieses Gebiet einer der zwei bedeutendsten "alpinen Flüsse mit Ufergehölzen von Myricaria germanica" sei - und daher als Natura-2000-Schutzgebiet nachgereicht werden dürfte. Genau in dieser Gegend waren Kraftwerksplaner schon einmal mit dem Vorhaben, die Umbalfälle zu verstauen, glorios gescheitert - und sogar die Tiroler Tiwag hat bei diesem Projekt bereits abgewunken.

Nicht so die Wien Energie: "Wir sind an dem Projekt derzeit nicht beteiligt - aber wir schauen uns viele Projekte an und verfolgen sie mit großem Interesse", erklärte Wien-Energie-Geschäftsführerin Susanna Zapreva Montagabend am Rande der Bilanzpräsentation für das Geschäftsjahr 2011/12. Und weiter: "Ich kenne kein Laufwasserkraftwerksprojekt, das ohne Widerstand realisiert wurde." Allerdings heißt es weiters, dass das Projekt ökologisch und mit den Anrainern passen müsse.

Erneuerbare Offensive

Wasserkraft ist ein wichtiges Standbein beim Ausbau der erneuerbaren Energieproduktion - um Schwankungen beim Wind- und Solarstrom auszugleichen. So ist die Wien Energie auch beim Pumpspeicherkraftwerk Molln in Oberösterreich beteiligt - das ohne Einsprüche genehmigt wurde. Und es soll auch das Wasserkraftwerk Opponitz im Bezirk Amstetten um 30 Mio. Euro ertüchtigt werden.

Im Bereich Windstrom will die Wien Energie ab 2013 weitere Projekte ähnlich dem, aber auch größer als der Windpark Glinzendorf realisieren (18 Megawatt Gesamtleistung um 27 Millionen Euro).

"Einfach Nutzen" am beliebtesten

Anfang 2013 solle auch bekanntgegeben werden, wie viele weitere Bürgersolarkraftwerke angeboten werden. Und auch die Angebote, PV-Kraftwerke auf privaten Dächern zu realisieren, kommen laut Zapreva gut an: Derzeit seien bereits 120 Anlagen in Umsetzung - am beliebtesten sei das Modell "einfach Nutzen", bei dem das Dach für eine Anlage zur Verfügung gestellt wird, das die Wien Energie errichtet und betreibt.

Ansonsten mussten Zapreva und Geschäftsführer Robert Grüneis einmal mehr erklären, warum die Wien Energie im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Verlust von rund 260 Mio. Euro einfuhr - nach einem Konzernüberschuss von rund 80 Mio. Euro im Geschäftsjahr davor. Grund dafür waren einmalige Sondereffekte aus der Neubewertung der Pensionsrückstellungen und aus Abschreibungen von Kraftwerken und Inlandsbeteiligungen. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, 19.12.2012)

  • Der Blick von Budam ins Hintere Virgental. Die Gegend, in der ein Wasserkraftwerk entstehen soll, dürfte als 
Natura-2000-Schutzgebiet nachgereicht werden.
    foto: michael kranewitter

    Der Blick von Budam ins Hintere Virgental. Die Gegend, in der ein Wasserkraftwerk entstehen soll, dürfte als Natura-2000-Schutzgebiet nachgereicht werden.

Share if you care.