Jodtabletten für Kinder daheim statt in der Apotheke

16. Dezember 2012, 18:24
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Bisher wurde die Kaliumjodid-Prophylaxe für Kinder und Jugendliche in Kindergärten, Schulen, Horten und Apotheken gelagert

Wien - Etwas irritiert war die Mutter zweier Söhne doch, als diese mit jeweils einem Gutschein für Kaliumjodid-Tabletten aus der Schule nach Hause kamen. "Zur Vorsorge bei schweren Reaktorunfällen", stand auf dem Zettel, können Eltern ab sofort für ihre Kinder bis zu 18 Jahren kostenlos dieses Medikament in der Apotheke abholen. Denn, so heißt es weiter, "schwere Unfälle in grenznahen Kernkraftwerken können trotz umfangreicher Sicherheitsvorkehrungen nicht vollkommen ausgeschlossen werden".

Nach Durchlesen des Infoblattes entschied die beunruhigte Frau bei der angeführten Service-Rufnummer anzurufen. Schließlich ist Österreich von 13 Atomkraftwerken umgeben. Das Gesundheitsministerium und die Apothekerkammer haben gemeinsam diese Abholaktion gestartet. Bis Jahresende sollen die Gutscheinzettel an allen Schulen verteilt worden sein.
Seit 1990 gibt es in Österreich eine Kaliumjodid-Prophylaxe für Kinder und Jugendliche zum Schutz vor möglichem Schilddrüsenkrebs nach einem AKW-Unfall. Bisher lagerten die Tabletten in Kindergärten, Schulen, Horten und in den Apotheken. Jetzt wolle man die "Heimbevorratung" in den Familien propagieren, teilt das Ministerium auf Anfrage mit.

Vier Millionen Packungen 

Anstelle die Tabletten in der Apotheke aufzubewahren, sei es sicherlich " schlauer", sie daheim vorrätig zu haben, so das Argument des Gesundheitsministeriums. Vier Millionen Packungen mit je zehn Tabletten sind in Österreich vorhanden. Durch die Gratis-Abholaktion werde das Kontingent aber nicht aufgestockt. 18- bis 40-Jährige müssen auch wie bisher die Tabletten selbst kaufen. Über 40-Jährige sollen laut Gesundheitsministerium Kalium-Jodid im Notfall nicht einnehmen. (ker, DER STANDARD, 16.12.2012)

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