Mäuse füttern im Zwiebellook

20. Dezember 2012, 16:21
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Solange die Böden noch nicht gefroren sind, heißt es: dick anziehen und großzügig sein mit Blumenknollen - Das freut natürlich auch den einen oder anderen Nager, der dafür selbstlos die Erde lockert

Wenn der Dezember Hochsaison hat, kommt der Gärtner ins Schwitzen. Er schmiegt sich in wärmende Schafwollgilets oder mehrere Schichten und schlüpft in schlammdichte Schlüpfer. So sieht man ihn dann im Garten stehen, bereit für eine Fülle von Aufgaben.

Nicht ganz unwesentlich ist da zum Beispiel das Erneuern des Winterschutzes. Wer feig ist und schon im Oktober den Winterschutz angebracht hat, kann nun im Dezember auch wieder Sinnvolles tun und nachsehen, ob der Schutz auch Schutz gewährt. Hier ein wenig Reisig nachlegen, dort ein bisserl die Plane fixieren und ein paar Maul voll von altem Laub nachhäufeln, das kann man im Dezember durchaus machen.

Weniger vor Kälte, sondern mehr vor Feuchtigkeit wollen auch die Gräser geschützt werden. Winter bedeutet Dauernässe und damit hohe Verfaulgefahr. Diesbezüglich sind Ziergräser recht empfindlich. Um sie vor Nässe und kalten Winden im Herzen ihres Lebens zu schützen, bedient man sich ihrer eigenen Blätter, ohne diese dazu auszureißen. Man ertastet dazu den Wurzelhals, also jenen Bereich, wo einander Ober- und Unterirdisches treffen, packt dort fest zu und beginnt, von dieser Stelle aus einen straffen Ponyschopf nach oben hin mit Draht zu binden. So schützen die äußeren die inneren Blätter vor zu viel Wettereinfluss und erhöhen damit die Wahrscheinlichkeit, die Pflanze gut über den Februar zu bringen. Denn der wahre Feind, das ist der Februar.

In hohen Bögen durch die Luft

Im Dezember hingegen ist meist auch der Boden noch nicht gefroren. Das bietet Gelegenheit, noch ein wenig darin zu graben. Oft steht auch noch irgendwo ein Sack Blumenzwiebel herum, warum nicht jetzt einsetzen? Der Dezember könnte die letzte Gelegenheit dazu sein. Schmeißen Sie die Zwiebeln in hohen Bögen durch die Luft, und wo sie landen, versenken sie diese im Erdreich - das wirkt dann recht spontan und natürlich erst recht nächstes Jahr. Es wird sie überraschen, was dann wo zum Austreiben und Blühen ansetzt.

Mit den Zwiebeln tut man übrigens auch Gutes. Es sind die Wühlmäuse, die sich dankbar und erkenntlich zeigen werden, wenn man sie dank reichlicher Zwiebelgaben über den Winter bringt. Wer zwiebelschupfend durch den Garten wandelt, wird auch das eine oder andere Platzerl finden und sich fragen, wie es geschah, dass dort nichts wächst, keine Reste sichtbar sind und überhaupt - wäre das nicht der perfekte Platz für diese schattenverträgliche, Staunässe liebende neue Rosensorte Rosa krewecherli?

Jetzt im Dezember geht diesbezüglich noch etwas. Man kann und soll Rosen pflanzen. Eine Tätigkeit, die nahezu immer Saison hat, beglückt und die ausschließlich durch die Ressource Fläche Widerspruch erfährt. Mit Laubgehölzen kann man ähnlich verfahren, nur empfiehlt sich hier der sparsame Umgang mit neuen Pflanzen. Geben Sie eher den alten Sträuchern den Raum zur Entfaltung, sie werden es Ihnen mit Pracht danken.

Just do it

Unvermeidlich landet man im Rahmen seines dezemberlichen Patrouillengangs am späten Nachmittag dann im Gemüsebeet. Mutig zeigt der Mangold seine leuchtend roten Beine, erhaben hebt der Kohl seinen Kopf über die schlammige Scholle, und eventuell balanciert der Brokkoli noch ein paar Blütenstände zwischen Himmel und Erde. Ernten Sie das Zeug ab, greifen Sie zur Mistgabel und Stechschaufel und graben Sie lustvoll das gesamte Beet um. Raus mit der zerstörerischen Kraft der Göttin Kali, rein mit deren gestaltenden, Neues schaffenden Energie. Just do it.

Graben Sie ein, was gerade noch überirdisch, bringen Sie nach oben, was zuvor noch unterirdisch war. Und vergessen Sie nicht, eine Scheibtruhe Stallmist einzuarbeiten - so empfehlen es schlaue Gartenbücher, die man deswegen nicht besitzt. Denn, bitte schön, woher bekommt der Städter eine Fuhre Mist? Eben.

Ist das Gemüsebeet umgegraben und mit bereichernden Substanzen angereichert, so ist wahrscheinlich auch die Dämmerung bereits von der Dunkelheit abgelöst. Man kann dann auf dem Weg zurück in die gute Stube auch noch die eine oder andere dazu geeignete Clematis zurückschneiden. Der Dezember bietet wahrlich noch genug zu tun. Dann ist aber Ruhe. (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 14.12.2012)

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    Es sind die Wühlmäuse, die sich dankbar und erkenntlich zeigen werden, wenn man sie dank reichlicher Zwiebelgaben über den Winter bringt.

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