Rüge für Gerald Matt

13. Dezember 2012, 19:11
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Kontrollamt: Kritik an Neben- und Reisetätigkeiten

Wien - Mehr als neunzig Seiten umfasst der Prüfbericht des Wiener Kontrollamts über die Kunsthalle Wien, der am Donnerstag veröffentlicht wurde. Untersucht wurden die Gebarung der Kunsthalle sowie einzelne Projekte, in deren Zusammenhang Ex-Kunsthallendirektor Gerald Matt Unregelmäßigkeiten vorgeworfen worden waren. Dass Matt unrechtmäßig gehandelt habe, ist dem Bericht nicht zu entnehmen.

Gerügt wird allerdings sein großzügiger Dienstvertrag. Dieser erlaubte Matt umfangreiche Nebentätigkeiten, für die er auch Betriebsmittel und Mitarbeiter der Kunsthalle beiziehen durfte, sofern diese Nebentätigkeiten nicht mehr als 15 Prozent seiner Arbeit ausmachten. Laut Prüfbericht wurde die aufgezeichnete Arbeitszeit aber nicht entsprechend auf Projekte aufgeteilt. Die "Einhaltung des zulässigen Ausmaßes" habe daher "nicht nachvollzogen" werden können.

Dringende Empfehlung des Kontrollamts: Derartige Regelungen für Nebentätigkeiten seien in Hinkunft zu unterlassen. Schon passiert, heißt es in der Replik des Büros von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny: Der neue Kunsthallenchef Nicolaus Schafhausen könne nur mit Zustimmung der Stadt Nebentätigkeiten eingehen. Weiters empfahl das Kontrollamt, Reisen auf das "unbedingt notwendige Ausmaß" zu beschränken und auf eine sparsame Gebarung zu achten. Matts Reisekosten lagen im Jahr 2011 um 62,5 Prozent über jenen von 2002.

Der vom Kontrollamt immer wieder heftig kritisierte Verein der Kunsthalle, der mittlerweile aufgelöst und durch eine GmbH ersetzt wurde, rechtfertigt dies mit gestiegener Programmvielfalt: Im Jahr 2002 seien zwanzig Projekte realisiert worden, an die fünfzig im Jahr 2010/11. Wie auch im Kontrollamtsbericht positiv festgehalten wird, wurden die Besucherzahlen von 130.000 im Jahr 2002 unter Matts Leitung um fünfzig Prozent gesteigert. Im Jahr 2011, so der Prüfbericht, sei das beste Geschäftsergebnis in der Geschichte der Kunsthalle Wien mit einem Umsatzerlös von 1,35 Millionen Euro und 195.000 Besuchern erzielt worden.

Der ehemalige Kunsthallen-Vorstand sieht sich durch den Kontrollamtsbericht in seiner "erfolgreichen Tätigkeit" bestätigt: Der Verein Kunsthalle Wien, so Ex-Vorstand Thomas Häusle in einer Aussendung, habe über eine ausgewogene Gebarung verfügt und zu keiner Zeit eine Nachsubventionierung in Anspruch nehmen müssen. (APA, asch, DER STANDARD, 14.12.2012)

 

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