Enzensberger droht mit Suhrkamp-Exit

12. Dezember 2012, 20:24
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Starautor will den Verlag verlassen, sollte Barlach übernehmen

Hamburg - Der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger hat damit gedroht, den Suhrkamp Verlag zu verlassen, sollte Minderheitseigner Hans Barlach in Zukunft den Verlag führen. "Übernähme er die Geschäftsführung, so würde ich keine Minute bei Suhrkamp bleiben", sagte Enzensberger der Wochenzeitung "Die Zeit".

Der 83 Jahre alte Autor wirft dem 39-Prozent-Eigentümer Barlach vor, sich nie programmatisch über den Verlag geäußert zu haben und nur "vorhandene Copyrights" ausschlachten zu wollen. "Da werden die Autoren nicht mitmachen. Weder die existierenden Verträge noch die Rechtsprechung lassen das zu. Herr Barlach scheint das nicht zu wissen." Andere Schriftsteller seien auch auf seiner Seite, sagte Enzensberger.

Der am Montag per Gerichtsbeschluss als Geschäftsführerin abberufenen Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz stärkt Enzensberger den Rücken: "Was ich mit Bestimmtheit sagen kann, ist, dass Ulla Berkéwicz mit Autoren umgehen kann und dass sie ein Programm auf die Beine gestellt hat, das sich sehen lassen kann."

Nicht äußern wolle er sich zu den juristischen Auseinandersetzungen, bei denen der Verlag Berufung gegen die Entscheidung angekündigt hatte. "Das kann ich nicht beurteilen. Dafür müsste man die Akten studieren und sich mit Mietverhältnissen und Heizungskosten befassen. Dazu fehlen mir Zeit und Lust", sagte Enzensberger.

Entschärfung durch neue Geschäftsführung gewünscht

 Barlach plädiert für die Berufung einer neuen Geschäftsführung. Beide Seiten sollten sich zusammensetzen und auf einen Geschäftsführer verständigen, sagte der 57-jährige Medienunternehmer in einem Gespräch mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung"  vom Donnerstag. Voraussetzung sei, dass die Familienstiftung von Ulla Unseld-Berkéwicz ihre Klage zurücknehme, ihn als Gesellschafter auszuschließen: "Ich kann mir vorstellen, dass sich die Situation auf diese Weise entschärfen ließe.

Das Berliner Landgericht hatte auf Antrag Barlachs die Abberufung von Unseld-Berkéwicz verfügt, weil sie bei der Anmietung von Eventräumen für den Verlag Geschäftliches und Privates vermischt haben soll. Barlach warf der Verlegerin Missmanagement vor. "Es ist jedenfalls kein Betriebsunfall der Geschäftsführung, dass dieser Verlag wirtschaftlich nicht so gut dasteht wie andere Verlage", sagte er. "Frau Unseld-Berkéwicz hat zwölf Bücher geschrieben, die in siebzehn Sprachen übersetzt sind. Der Verlag hat mit diesen Büchern 2010 fünfhundert Euro Umsatz gemacht und 2011 achthundert Euro."   (APA, 12./13.12.2012)

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